Keine Meilensteine für den Klimaschutz

by | Dezember 12, 2020 | Blog

Die Roadmap der RheinEnergie: eine Analyse der Klimawende Köln

 Zusammenfassung

Die RheinEnergie will klimaneutral werden und hat dazu eine „Roadmap für den Klimaschutz“ vorgestellt. Das klingt vielversprechend – aber bei genauerem Hinsehen wird klar, dass die geplanten Maßnahmen in den nächsten Jahren bei Weitem nicht ausreichen. Bis 2033 würden nur etwa 10 % des CO2-Ausstoßes eingespart. Ein Programm zur Investition in erneuerbare Energien, das wir sehr begrüßen, ist zwar eingeplant,  aber erst für 2034 und damit viel zu spät. Stattdessen will die RheinEnergie ihre Kraftwerke in ferner Zukunft auf Wasserstoff umstellen – nur ist schwer vorhersagbar, ob grüner Wasserstoff ausreichend verfügbar sein wird und ob er in der Wärmeversorgung wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Aktuell setzt die RheinEnergie weiterhin auf die Verbrennung fossiler Energieträger, die nicht nur klimaschädlich, sondern teilweise schon jetzt – und zukünftig in Gänze – unrentabel sind.

Wir schließen daraus: Die RheinEnergie hat keinen konkreten Plan, wie sie die Klimaneutralität verwirklichen kann. Dies ist nicht nur fatal für das Erreichen der Kölner Klimaziele, sondern könnte für alle Kund:innen der RheinEnergie auf Dauer teuer werden.

In diesem Beitrag erläutern wir unsere Schlussfolgerungen und bringen Forderungen und eigene Lösungsvorschläge ein. Sie sind aus unserer Sicht notwendige und machbare Schritte in Richtung Klimaneutralität und können gleichzeitig das städtische Unternehmen RheinEnergie zukunftsfähiger machen.

Einführung: Die Roadmap der RheinEnergie

Die RheinEnergie hat auf ihrer Jahrespressekonferenz am 22.06.2020 ihre „Roadmap für den Klimaschutz“[1] vorgestellt. Sie erklärt darin, wann sie ihre Produkte klimaneutral bereitstellen wird:

  • die Kölner Wasserversorgung bis 2025
  • die Stromversorgung für Privat- und kleine Gewerbekunden bis 2030
  • die restliche Stromversorgung und die Wärmeversorgung bis 2040

Erreichen will die RheinEnergie diese Ziele vorrangig mit der Umstellung von fossilem Erdgas auf Wasserstoff (dazu mehr im Anhang unter „Einsatz von Wasserstoff“), außerdem mit dem Ankauf deutscher Ökostrom-Herkunftsnachweise, Stromdirektlieferverträgen (oder PPA = Power Purchase Agreements) und dem Ausbau der erneuerbaren Energien.

Der Vorstandsvorsitzende der RheinEnergie, Dr. Steinkamp, erklärt, die RheinEnergie wolle als Unternehmen mit Gemeinwohlorientierung die Interessen von Menschen, Wirtschaft, Politik und Umwelt in Einklang bringen – entlang der drei Leitlinien Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Bezahlbarkeit.

Leider wird der Weg zu den Zielen der RheinEnergie in der Presseerklärung nur vage beschrieben; konkrete CO2-Minderungsmaßnahmen werden nicht genannt. Etwas konkretere Informationen fanden wir in der Kostenschätzung zu unserem Bürgerbegehren[2] (s. Abb. 1). Auch diese Grafik lässt noch viele Fragen offen. Einige der beschriebenen Maßnahmen werden den CO2-Ausstoß der RheinEnergie nicht mindern, einige werden die CO2-Emissionen auf dem Kölner Stadtgebiet sogar erhöhen, etwa der Ausbau des Blockheizkraftwerks in Merheim oder der Kraft-Wärme-Kopplungs-Ausbau.

RE-Klimaschutz-Roadmap

Abb. 1: CO2-Minderungsziele der RheinEnergie laut Klimaschutz-Roadmap

Leider lehnt es die RheinEnergie bisher ab, uns mit genaueren Informationen über den geplanten Weg zur Klimaneutralität zu versorgen. Daher mussten wir im Folgenden einige Annahmen treffen, die sich im Großen und Ganzen aber mit der Realität decken dürften.

Ein Punkt, der uns interessiert, sind die Gesamtemissionen von 5,1 Mio. t CO2 /a (siehe Abb. 1 rechts unten). Uns liegen Zahlen für das Jahr 2019 vor, gemäß denen die RheinEnergie mit ihren Kölner KWK-Kraftwerken 2,2 Mio. t CO2 emittiert hat. Hinzu kommen 840.000 t CO2 für den Anteil am Kraftwerk Rostock, insgesamt also 3,04 Mio. t. Wir vermuten, dass die verbleibende Differenz von 2,06 Mio.t CO2 dem zugekauften fossilen Strom und dem Gasvertrieb zuzurechnen ist[3]. In der weiteren Betrachtung lassen wir diese außer Betracht und konzentrieren uns auf die direkt von der RheinEnergie emittierten CO2-Mengen (3,04 Mio. t).

Hintergrund: Das CO2-Budget der Stadt Köln

Klimawissenschaftler:innen haben für den Weltklimarat IPCC errechnet, dass die gesamte Menschheit ab dem 1.1.2018 nur noch 580 Milliarden t CO2 ausstoßen darf, um das 1,5-°C-Ziel mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit zu erreichen[4]. Bei einer weltweit gleichmäßigen Verteilung dieses Emissionskontingents nach Bevölkerungszahlen stand der Stadt Köln zum 1.1.2018 noch ein Budget von 75,3 Millionen t CO2 zu. Davon haben wir (bei jährlichen CO2-Emissionen von ca. 10 Millionen t [5]) bis Ende 2020 bereits 30 Millionen t emittiert.

Bei unverändertem CO2-Ausstoß wäre das restliche Budget von 45,3 Millionen t daher in 4,5 Jahren aufgebraucht, also Mitte 2025. Werden die Treibhausgas-Emissionen von 2021 an linear auf Null reduziert, reicht das Budget noch neun Jahre, also bis 2030.

Wichtig ist: Die CO2-Emissionen müssen möglichst schnell und frühzeitig reduziert werden, um die notwendige Wirkung zu erzielen[6].

Die RheinEnergie war 2019 mit einem CO2-Ausstoß von 2,2 Mio. t die größte Einzelemittentin in Köln. Eine rasche Umstellung auf 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen hätte somit einen signifikant positiven Effekt auf die Gesamt-Treibhausgasbilanz der Stadt Köln.

Die Maßnahmen in der Roadmap und ihre Bewertung hinsichtlich der CO2-Reduktion

Die RheinEnergie weist in ihrer Roadmap drei unterschiedliche Bereiche aus: Wasser, Strom und KWK/Wärme (Kraft-Wärme-Kopplung[7]). Für jeden Bereich nennt sie unterschiedliche Maßnahmen, die zur Verringerung von CO2-Emissionen führen sollen. Diese Maßnahmen sind sehr unterschiedlich zu bewerten im Hinblick auf folgende Fragen:

Wie viel CO2 kann mit der Maßnahme eingespart werden?
Ist diese Einsparung wirklich der RheinEnergie zuzurechnen?
Wie wahrscheinlich ist, dass diese Maßnahme verwirklicht werden kann?

Bewertung der Roadmap

Wir haben uns jede Maßnahme in der Roadmap angesehen und bewertet bzw. nachgerechnet, nachzulesen im Anhang: „Die Roadmap-Meilensteine im Einzelnen“.

Aus unserer Bewertung ergibt sich der zeitliche Verlauf der CO2-Emissionen wie in Abb. 2 dargestellt.

CO2-Emissionen der RheinEnergie

Abb. 2: Zeitlicher Verlauf der CO2-Emissionen der RheinEnergie nach Plan der RheinEnergie (Analyse der Emissionen: Klimawende Köln) und Forderung der Klimawende Köln im Vergleich

CO2 Unser Ergebnis: Die Maßnahmen der RheinEnergie bewirken bis ins Jahr 2033 lediglich 10 % CO2-Einsparung. Wie oben beschrieben muss ein wirkungsvoller Klimaschutz jedoch sehr schnell große Mengen COreduzieren.

2019 hat die RheinEnergie 3,04 Mio. t emittiert. Würde sie bis 2030, dem Null-Emissions-Zieljahr unserer Forderung, der Roadmap folgen, läge der Ausstoß dann immer noch bei 2,81 Mio. Tonnen CO2.

Von dem oben als notwendig beschriebenen Weg, die Emissionen bis 2030 auf Null zu bringen, ist die RheinEnergie somit weit entfernt. Für uns stellt sich die Roadmap als ein „weiter wie bisher“ dar. Wichtige und zugegebenermaßen tiefgreifende Kurswechsel werden in die Zukunft vertragt. Man investiert viel zu wenig in erneuerbare Energien, stellt dies aber im Marketing unverhältnismäßig stark in den Vordergrund, macht mit der subventionierten Kraft-Wärme-Kopplung Gewinn auf Kosten des Klimas und verschweigt die dazugehörige CO2-Bilanz.

Die Gesamtemissionen der RheinEnergie werden durch die Fläche unterhalb der jeweiligen Linien in Abb. 2 dargestellt. Wenn man die Emissionen der einzelnen Jahre von 2021 bis 2040 aufsummiert, ergibt sich eine Gesamtsumme von 48,2 Mio. t COwie in Abb. 3 dargestellt. Damit würde die RheinEnergie allein das gesamte 1,5°-Ziel-konforme CO2-Budget für Köln über alle Sektoren im Jahr 2036 aufbrauchen.  

CO2-Emissionen der RheinEnergie, kummuliert

Abb. 3: Aufsummierte CO2-Emissionen der RheinEnergie bis 2040 (entsprechend Klimawende Köln Analyse)

CO2-Monitoring

Um den Fortschritt der RheinEnergie auf ihrem Weg zur Dekarbonisierung wissenschaftlich beurteilen und verfolgen zu können, ist ein CO2-Monitoring, also eine jährliche Veröffentlichung der CO2-Emissionen der einzelnen Heizkraftwerke, Heizwerke, BHKW und weiteren CO2-Quellen der RheinEnergie, dringend erforderlich.

Wie sollte eine klimakonforme Roadmap aussehen? Unsere Forderungen

Ziel einer Roadmap muss sein, die CO2-Emissionen bis 2030 auf Null zu reduzieren. Hohe Emissionsminderungen am Anfang sind dabei besonders wichtig. Dafür müssen mehrere Maßnahmen parallel und direkt ergriffen werden:

1. Stilllegung des Steinkohlekraftwerks Rostock spätestens 2024
Das Steinkohlekraftwerk in Rostock wurde im Februar 2020 für mehrere Monate aus betriebswirtschaftlichen Gründen vom Netz genommen. Offensichtlich sind weder das Stromnetz noch das Fernwärmenetz in Rostock auf die Energie angewiesen. Wenn die RheinEnergie ihre Aussage ernst meint, dass ihr „Klimaschutz und Bezahlbarkeit“ wichtig sind, dann sollte sie dieses Kraftwerk so schnell wie möglich vom Netz nehmen.

2. Sofortiger, massiver Ausbau der erneuerbaren Energien in Köln
Das größte Potential zur Erzeugung erneuerbarer Energien in Köln – 3.365 GWh/a – hat der Ausbau von Photovoltaik auf Dachflächen[8]. Diese Maßnahme trifft sicher auch auf die größte Akzeptanz in der Bevölkerung. Um dieses Potenzial in den nächsten 10 Jahren zu erschließen, müssten 337 MWp pro Jahr zugebaut werden. Bei Erschließungskosten von derzeit 1.200 €/KWp entspräche das 404 Millionen € Investitionskosten pro Jahr und ca. 1.400 neuen Arbeitsplätzen[9] in Köln.
Diese Summe müsste nicht allein von der RheinEnergie getragen werden. Vielmehr ist hier eine breite gesellschaftliche Beteiligung und Schaffung förderlicher Rahmenbedingungen durch die Stadt Köln anzustreben. Dennoch muss die RheinEnergie massiv in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren, mit dem Schwerpunkt auf der Region und auf großen Dächern und PV-Freiflächenanlagen. Außerdem wäre es eine Aufgabe der RheinEnergie, bei der Erschließung dieses riesigen Potentials die Auslegung des Netzes und die Speicherung der Energie an sonnigen Tagen zu übernehmen. Zudem könnte sie als Dienstleister die vereinfachte Erschließung von kleinen PV-Dachanlagen anbieten und zusätzlich Mieterstromprojekte realisieren, um so zu einem Ausbau dezentraler Ökostromerzeugung im städtischen Raum beizutragen.

3. Stilllegung des Braunkohleblocks Merkenich in 2025
Anstatt noch einmal in fossile Infrastruktur zu investieren und bei dem Ersatz der Braunkohle durch Erdgas lediglich ca. 200.000 t CO2/a einzusparen, könnten ca. 400.000 t CO2/a eingespart werden, wenn der Ersatz durch erneuerbare Energien erfolgt und die Energieeinsparpotentiale bei den Endverbrauchern erschlossen würden[10]. Dann könnten die vorhandenen Gasblöcke in Merkenich den Wärme- und Dampfbedarf decken. Mittelfristig müssen aber auch diese fossilen Kapazitäten auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Hier sollte die RheinEnergie gemeinsam mit den Verbrauchern aus der Industrie nach einem modernen und erneuerbaren Wärmekonzept suchen.

4. Umbau der Fernwärme auf erneuerbare Energiequellen
Die Vorlauftemperatur der Fernwärmenetze muss deutlich abgesenkt werden, damit erneuerbare Energiequellen effektiv eingespeist werden können. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energiequellen für die Fernwärme in Köln und der Erschließung des erneuerbaren Stroms werden die KWK-Gaskraftwerke immer weniger benötigt und können sukzessiv vom Netz genommen werden. Dieser Prozess sollte möglichst bis 2030 abgeschlossen sein.

Fazit

Die Roadmap der RheinEnergie ist zu wenig ambitioniert, denn sie verfehlt das 1,5°C-Ziel von Paris. Viele in der Roadmap genannte Maßnahmen führen zu keiner CO2-Reduktion bei der RheinEnergie, andere Maßnahmen greifen viel zu spät. Die Umstellung der fossilen Gaskraftwerke auf erneuerbaren Wasserstoff 2040 ist spekulativ (vgl. Anhang „Einsatz von Wasserstoff“).

Vor dem Hintergrund, dass das klimaschädliche und unwirtschaftliche Steinkohlekraftwerk in Rostock erst 2038 stillgelegt werden soll, klingen die von Dr. Steinkamp genannten drei Leitlinien „Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Bezahlbarkeit“ insbesondere in Bezug auf die zweite Zielsetzung unglaubwürdig. Eine frühzeitige Stilllegung dieses Kraftwerks, spätestens 2024, bietet der RheinEnergie ein großes und wirtschaftlich darstellbares CO2-Einsparpotential.

Die Kraftwerke der RheinEnergie versorgen heute mit ihrer Abwärme das Fernwärmenetz. Grundsätzlich ist Fernwärme eine gute Sache, wenn sie mit Abwärme oder erneuerbaren Energien betrieben wird. Die Abwärme aus den Kraft-Wärme-Kopplungs-Kraftwerken der RheinEnergie wird mit zunehmendem Ausbau der erneuerbaren Energien aber immer weniger zur Verfügung stehen. Deshalb müssen dringend erneuerbare Energiequellen für die Wärmeerzeugung erschlossen und das Fernwärmenetz auf diese umgestellt werden.

Wir wissen, dass unsere Forderung nach einer klimaneutralen RheinEnergie ab 2030 eine Herausforderung für das Unternehmen darstellt. Gerne möchten wir diese Forderung und mögliche Wege der Umsetzung mit der RheinEnergie und Vertreter*innen aus Politik und Stadtverwaltung besprechen und gemeinsam technisch machbare, finanzierbare und gesellschaftlich akzeptierte Lösungen finden.

Anhang 1: Die Roadmap-Meilensteine im Einzelnen

Im Folgenden listen wir die in Abb. 1 aufgeführten Meilensteine der RheinEnergie einzeln auf (blau) und kommentieren sie (schwarz)

Wasser

2024, Herkunftsnachweise, CO2-Minderung 25.000 t/a

Allein der Zukauf von Herkunftsnachweisen führt zu keiner CO2-Minderung. Herkunftsnachweise ergeben mit Blick auf die Klimabilanz der RheinEnergie nur Sinn, wenn sie den dazugehörigen Ökostrom ebenfalls kauft.

2035, Wasserwende/Aufforstung, CO2-Minderung 25.000 t/a

Zur Bewertung dieses Punkts benötigen wir weitere Informationen der RheinEnergie. Zur Bindung von 25.000 t CO2 pro Jahr wird eine Fläche von 2.083 ha Wald benötigt[11]. Die RheinEnergie gibt uns gegenüber an, lediglich 15 ha aufforsten und 370 ha Waldbesitz hinsichtlich ihrer CO2-Speicherkapazität optimieren zu wollen. Außerdem sollen an Wasserwerksstandorten neue PV-Kapazitäten aufgebaut werden. Leider wurde keine nachvollziehbare Berechnung der CO2-Minderungen bzw. -Kompensation mitgeliefert. Daher gehen wir von einer geringen CO2-Minderung aus. Die CO2-Emissionen der RE werden durch diese Maßnahmen nicht reduziert, sondern höchstens in geringem Umfang kompensiert.

Strom

2024, Köln Solar, CO2-Minderung 5.000 t/a

Den Ausbau von Photovoltaik begrüßen wir ausdrücklich und wünschen uns, dass die RheinEnergie den Ausbau über 2024 hinaus fortsetzt. Angesichts der enormen Potentiale an Photovoltaik in Köln erscheint eine Minderung von 5.000 t/a bis 2024 realistisch, aber auch wenig ambitioniert.

2027, TankE, CO2-Minderung 190.000 t/a

Wenn weniger Autos mit Benzin oder Diesel betrieben werden und stattdessen mit Ökostrom, mag der CO2-Ausstoß dadurch gemindert werden. Diese CO2-Minderung wird aber nicht bei der RheinEnergie erreicht, sondern ist dem Sektor Mobilität zuzurechnen.

2029, Herkunftsnachweise, CO2-Minderung 500.000 t/a

Allein der Zukauf von Herkunftsnachweisen führt zu keiner CO2-Minderung. Herkunftsnachweise ergeben mit Blick auf die Klimabilanz der RheinEnergie nur Sinn, wenn sie den dazugehörigen Ökostrom ebenfalls kauft.

2035, EE-Ausbau/PPA, CO2-Minderung 500.000 t/a

Der Ausbau von Erneuerbare-Energie-Anlagen und der Einkauf von Strom mittels Direktstromlieferverträgen (PPA) entspricht der Forderung aus unserem Bürgerbegehren. Die CO2-Minderung von 500.000 t/a kann dadurch erreicht werden – 2035 ist aber viel zu spät. Die RheinEnergie muss hier deutlich früher deutlich mehr investieren, um die gesteckten Klimaziele zu erreichen.

2040, Bundesweiter EE-Ausbau, CO2-Minderung 900.000 t/a

Dieser Punkt führt zu keiner CO2-Minderung der RheinEnergie-Emissionen.

Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)

2020, Modernisierung BHKW Merheim, CO2-Minderung 50.000 t/a

Das alte Heizkraftwerk in Merheim hatte eine Leistung von 15,8 MWel und eine uns nicht bekannte thermische Leistung. Es stieß ca. 46.000 t CO2/a aus. 2019 erfolgte eine Sanierung. Das neue Blockheizkraftwerk hat eine Leistung von 33 MWel und 30 MWth. Es ist laut Angaben der RheinEnergie zwar deutlich effizienter, wir gehen aber dennoch von einer deutlichen Erhöhung der CO2-Emissionen bei der RheinEnergie aus, da sich die elektrische Leistung mehr als verdoppelt hat (grob und konservativ geschätzt 25.000 t/a).

2025, Umstellung HKW Merkenich auf Gas, CO2-Minderung 200.000 t/a

Der Braunkohleblock in Merkenich hat in den letzten Jahren ca. 400.000 t CO2/Jahr emittiert. Bei der groben Annahme, dass sich die CO2-Emissionen bei einer Umstellung von Braunkohle auf Erdgas halbieren[12], klingt die Minderung von 200.000 t/a realistisch.

2027, KWK-Ausbau, CO2-Minderung 100.000 t/a

Die erste Überraschung: Die RheinEnergie plant die KWK auszubauen, obwohl sie ebenso wie die Politik uns gegenüber betont hat, dass nicht mehr in fossile Kraftwerke investiert werden soll. Der Ausbau von Kraft-Wärme-Kopplung führt aber zu einer Erhöhung der CO2-Emissionen bei der RheinEnergie, nicht zu einer Minderung. Die von der RheinEnergie angegeben CO2-Minderung von 100.000.t/a lässt vermuten, dass man durch das Verbrennen von Erdgas 100.000 t CO2 emittiert, um damit an anderer Stelle, außerhalb der RheinEnergie, 200.000 t Kohle-CO2-Emissionen zu verhindern (gleicher Ansatz wie beim Braunkohleblock in Merkenich). Dieser Ansatz mag für die nächsten Jahre richtig sein, in 2030 müssen die Emissionen der RheinEnergie aber bei Null sein. Daher lehnen wir Investitionen in die fossile Stromerzeugung ab. Für den geplanten KWK-Ausbau setzen wir in unserer Betrachtung Mehremissionen bei der RheinEnergie in Höhe von 50.000 t/a an (grob und konservativ geschätzt).

2029, Ausbau P2H/WP/Abwärme/Solarthermie, CO2-Minderung 100.000 t/a

Den Zubau von Power-to-Heat (Wärmeerzeugung durch überschüssigen erneuerbaren Strom), Wärmepumpen sowie die Nutzung von Abwärme und Solarthermie begrüßen wir. Eine CO2-Minderung von 100.000 t/a bewerten wir als realistisch.

2033, Minderung Kondensationsstrom, CO2-Minderung 400.000 t/a

Laut Angabe der RheinEnergie fährt sie ihre Kraftwerke teilweise im Kondensationsbetrieb. Das heißt, dass die überschüssige Wärme im Sommer mittels Rheinwasser kondensiert und in den Rhein abgeführt und nicht in das Fernwärmenetz eingespeist wird. In Zukunft will die RheinEnergie diese Betriebsart reduzieren und nur noch in der Spitzenlast einsetzen. Eine detaillierte Berechnung hat die RheinEnergie bisher nicht geliefert und es ist auch nicht klar, warum sie diese Betriebsweise nicht schon heute umsetzt. Dennoch haben wir die CO2-Minderung in unserer Berechnung berücksichtigt.

2038, Abschaltung HKW Rostock, CO2-Minderung 840.000 t/a

Die Abschaltung des Heizkraftwerks Rostock führt zu den genannten CO2-Minderungen bei der RheinEnergie. 2038 ist aber deutlich zu spät und sollte nach der Forderung der lokalen Bürgerinitiative ‚Rostock kohlefrei‘ bereits Ende 2024 geschehen, denn dann läuft der Fernwärmeliefervertrag mit der Stadt Rostock aus. Dieser Forderung schließen wir uns an.

2040, Einsatz von Wasserstoff, CO2-Minderung 1.200.000 t/a

Der Ersatz von fossilem Erdgas durch Wasserstoff in den Kölner Heizkraftwerken ab 2040 ist spekulativ und wird daher gesondert im folgenden Punkt diskutiert. Wir haben die CO2-Reduktion für 2040 mit 600.000 t angenommen, obwohl wir im nächsten Kapitel aufzeigen, dass selbst dieser Wert fraglich ist.

Anhang 2: Einsatz von Wasserstoff

Zuerst stellt sich die Frage, ob die Verbrennung von Wasserstoff in den Kraftwerken der RheinEnergie überhaupt technisch möglich ist? Auch wenn dem so ist, ist der Ersatz des fossilen Erdgases durch Wasserstoff fraglich.

Um klimaneutralen Wasserstoff zu erhalten, muss dieser durch überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Die aktuellen Zielsetzungen im Kabinettsentwurf der EEG-Novelle der Bundesregierung lassen es aber sehr zweifelhaft erscheinen, dass zukünftig ausreichend überschüssiger erneuerbarer Strom verfügbar sein wird, um sogenannten „grünen Wasserstoff“ zu erzeugen. Die RheinEnergie selbst geht in ihrer Kostenschätzung von lediglich 64 % erneuerbare Energien im Jahr 2030 aus. Wir gehen davon aus, dass der Anteil höher sein wird. Dennoch wird es auch 2040 nicht ausreichend erneuerbaren Strom geben, um damit im größeren Maßstab Wasserstoff zu erzeugen. Importe von grünem Wasserstoff aus sonnenreichen Ländern ergeben nur dann Sinn, wenn in diesen Ländern die Stromversorgung zu 100 % aus erneuerbaren Energien erfolgt. Damit ist bis 2040 nicht zu rechnen.

Außerdem sollte überschüssiger erneuerbarer Strom zuerst dort eingesetzt werden, wo er am meisten CO2 einspart. Vor der Umwandlung zu Wasserstoff als simplen Energiespeicher in der Wärmeerzeugung, ist das an erster Stelle die Herstellung von Ameisensäure (eher geringe Mengen), danach in absteigender Reihenfolge:
der Einsatz für Wärmepumpen
die batteriebetriebene Elektromobilität
Stahlherstellung
Speicherung in Pumpspeicherkraftwerken
Speicherung in Batterien
Speicherung in Druckluftspeichern
als Wasserstoff für die Mobilität

Erst danach ergibt es Sinn, aus dem überschüssigen Strom Wasserstoff für die Speicherung zu erzeugen, mit anschließender Umwandlung in Strom und Wärme[13]. Wasserstoff in größerem Maßstab für die Wärme einzusetzen scheint daher bis zum Jahr 2040 ausgeschlossen.

In der „Roadmap Gas“ vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft[14], deren Mitglied die RheinEnergie ist, wird auf Seite 12 dekarbonisierter Wasserstoff, oder auch „blauer Wasserstoff“, der aus Erdgas in der Kombination mit der Abscheidung von CO2 erzeugt wird, als klimaneutrales Gas bezeichnet. Anschließend soll eine stoffliche Nutzung oder dauerhafte Lagerung des CO2 in geologischen Lagerstätten erfolgen. Dieses energieintensive Verfahren erachtet Klimawende Köln nicht als klimaneutral, da dabei ja CO2 entsteht. Wir werden uns in näherer Zukunft mit diesem Thema weiter auseinander setzen und die Nachteile genauer beschreiben.

Vor diesem Hintergrund ist der Ersatz von Erdgas durch klimaneutralen Wasserstoff bzw. die Höhe des in der Roadmap angesetzten CO2-Minderungseffekts bei der RheinEnergie unwahrscheinlich.

Quellennachweis

[1] Vorstellung der „Roadmap für den Klimaschutz“ auf der Jahrespressekonferenz der RheinEnergie am 22.06.2020, https://www.rheinenergie.com/de/unternehmen/newsroom/nachrichten/news_34368.html

[2] Kostenschätzung zu unserem Bürgerbegehren, vom 1.9.2020, Abb. 1 zu finden auf Seite 10 https://ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=97088

[3] wenn man die Kennzahlen aus dem Geschäftsbericht von 2019 nimmt, und den verkauften Strom von 17.566 GWh mit der Stromkennzeichnung der RheinEnergie von 0,306 kg CO2/kWh multipliziert, kommt man auf 5,375 Mio. t CO2 für den verkauften Strom und beim verkauften Gas auf 7.515 GWh x 0,2 kg CO2/kWh = 1,5 Mio. t CO2, was zusammen 6,875 Mio. t CO2/a entspricht.

[4] Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) 2020, S. 46: https://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/01_Umweltgutachten/2016_2020/2020_Umweltgutachten_Kap_02_Pariser_Klimaziele.pdf?__blob=publicationFile&v=21

[5] KölnKlimaAktiv 2022 – Das Maßnahmenprogramm für den Klimaschutz in der Stadt Köln, vom 8.4.2019, https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf57/ko%CC%88lnklimaaktiv_2022_bfrei.pdf

[6] CO2 kann laut Bundesministerium für Umweltschutz bis zu 1.000 Jahre in der Atmosphäre verweilen. Wenn CO2-Emissionen früher vermieden werden, summieren sie sich nicht weiter auf. Eine Emissionsminderung in 2020 wirkt über die nächsten 10 Jahre 10-fach mehr, als die gleiche Minderung in 2030.

[7] Kraft-Wärme-Kopplung beschreibt ein Prinzip, bei dem die während der Stromerzeugung entstehende Wärme ebenfalls genutzt wird, was einen im Vergleich zur getrennten Erzeugung effizienteren Brennstoffeinsatz ermöglicht.

[8] https://www.energieatlas.nrw.de/site/werkzeuge/planungsrechner
Verwaltungseinheit: Gemeinde, Köln
Szenarienrechner: NRWleit-Szenario, PV-Dachfläche Regler auf maximum

[9] Die Zahl wurde über die Installationsleistung einer Kölner Solarfirma hochgerechnet

[10] Der Braunkohleblock in Merkenich emittiert ca. 400.000 t CO2/a. Bei Ersatz durch erneuerbare Energien könnten diese Emissionen komplett ersetzt werden. Nach unserer Kenntnis werden mit dem ausgekoppelten Dampf hauptsächlich Produktionshallen geheizt. Das ist eine sehr uneffektive Heizmethode.

[11] Wie viel CO2 binden Wälder?, Bundesinformationszentrum Landwirtschaft, abgerufen am 18.11.2020, https://www.landwirtschaft.de/landwirtschaft-verstehen/haetten-sies-gewusst/pflanzenbau/wie-viel-co2-binden-waelder

[12] Emissionsfaktoren verschiedener Brennstoffe siehe: https://www.kea-bw.de/kommunaler-klimaschutz/angebote/co2-bilanzierung

[13] Seite 4 aus https://www.borderstep.de/wp-content/uploads/2020/08/201007_Crashkurs-Waermewende_Hanke-Rauschenbach.pdf
Erläuterungen dazu im Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=H6dJVm0stVc&feature=emb_logo

[14] https://www.bdew.de/service/publikationen/roadmap-gas/

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