Koelnmesse

Koelnmesse GmbH: fortschrittlich, aber nicht ganz transparent

Zusammenfassung

  • Die Koelnmesse GmbH hat sich als zentraler Akteur für das Klimaziel der Stadt Köln positioniert und strebt an, die Emissionen im direkten Einflussbereich des Unternehmens (Scope 1 und 2) bis 2030 auf null zu reduzieren.
  • Das Unternehmen hat bereits weitreichende Maßnahmen umgesetzt, darunter der Umstieg auf 100 % Ökostrom, die Installation von Photovoltaik-Anlagen und die Vorbereitung einer Umstellung der Wärmeversorgung auf klimafreundliche Wärmepumpen.
  • Obwohl erste Maßnahmen auch in den indirekten Emissionsbereichen (Scope 3) ergriffen werden, liegen hier noch erhebliche Herausforderungen. Klimawende Köln ermutigt die Koelnmesse, ihre Vorreiterrolle zu nutzen und gemeinsam mit ihren Partnern innovative Lösungen zu entwickeln, um die Emissionen aus Mobilität, Logistik und Abfall weiter zu reduzieren.
  • Im Sinne der Transparenz plädiert Klimawende Köln für eine Veröffentlichung der Klimabilanz des Unternehmens inklusive konkreter Informationen zum Reduktionspfad und den weiter geplanten Klimaschutzmaßnahmen.

1. Koelnmesse GmbH – „Hotspot“ für Klimaschutzmaßnahmen

Die Koelnmesse, das achtgrößte Messeareal der Welt, ist mit 365,8 Millionen Euro Umsatz und einem Überschuss von etwa 21,3 Millionen Euro (2024) mehr als nur ein Wirtschaftsgigant. Als Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligung durch die Stadt Köln spielt sie zugleich eine entscheidende Rolle für die Klimawende in Köln. Die erheblichen Emissionen aus Energieverbrauch, Mobilität, Logistik und Abfallproduktion machen das Messegelände zu einem zentralen Ort für Klimaschutzmaßnahmen – und die Koelnmesse damit zu einem entscheidenden Akteur auf dem Weg zur Klimaneutralität Kölns bis 2035.
Wir, von „Klimawende Köln“, haben deshalb im Rahmen unserer KampagneKölle klimafit: Kommunale Unternehmen gestalten den Wandel das Klimaschutzengagement der Koelnmesse genauer unter die Lupe genommen. In diesem Blogbeitrag analysieren wir die Klimastrategie und die gesteckten Ziele und bewerten die bisher umgesetzten Maßnahmen zur Emissionsreduktion. Dabei zeigen wir auf, wo die größten Herausforderungen liegen und wo das Unternehmen seine Klimaschutzbemühungen noch weiter verstärken kann und muss. Die Grundlage für unsere Recherche bilden öffentlich zugängliche Informationen wie Geschäftsberichte und Websites der Koelnmesse (s.u.: Quellen) sowie ein persönliches Gespräch mit Nachhaltigkeitsmanagerin Karen Brune und Kommunikationsmanager Tim Rademacher am 21.11.2025.

2. Nachhaltigkeitsarchitektur und Klimamanagement: Die Basis für den Wandel

Erklärtes Ziel der Koelnmesse GmbH ist die „nachhaltige Transformation“ ihres Geschäftsmodells „hin zu einer umweltschonenden und klimaneutralen Ausrichtung“ (Geschäftsbericht 2024). Um den komplexen Herausforderungen gerecht zu werden, hat die Koelnmesse ein strukturiertes Nachhaltigkeitsmanagement etabliert und 2023 die Stelle einer Nachhaltigkeitsmanagerin/eines Nachhaltigkeitsmanagers geschaffen, die eng mit der Unternehmenskommunikation zusammenarbeitet. Zudem wurden Ansprechpersonen für Nachhaltigkeit in wesentlichen Geschäftsbereichen benannt. Koelnmesse ist darüber hinaus im Arbeitskreis Nachhaltigkeit der deutschen Messewirtschaft aktiv, in dem gemeinsame Standards für das Nachhaltigkeitsmanagement und die Datenerhebung erarbeitet werden. Mit der ISO 20121-Zertifizierung und der Berichterstattung gemäß der europäischen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sind klare Verantwortlichkeiten und messbare Ziele definiert. Die Überwachung erfolgt durch interne Audits und wird von Wirtschaftsprüfern extern geprüft. Dieser systematische Ansatz ist entscheidend für eine transparente und evidenzbasierte Klimaschutzstrategie und ermöglicht eine zielgerichtete Maßnahmenplanung, ein systematisches Monitoring der erreichten Ergebnisse und einen transparenten Prozess zur kontinuierlichen Verbesserung.

3. Klimastrategie und Klimaziele: Ambitioniert, aber mit Lücken

Die Koelnmesse hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 Klimaneutralität in Scope 1 und Scope 2 für ihre gesamte Energieversorgung zu erreichen. Das ist ein starkes Signal und liegt vor dem gesamtstädtischen Ziel von 2035. In der eigenen Energieerzeugung soll bereits 2028 Klimaneutralität erreicht werden.
Für die Klimaneutralität der Scope 3 Emissionen – also der indirekten Emissionen aus der Wertschöpfungskette wie An- und Abreise von Besuchern und Ausstellern – definiert die Koelnmesse jedoch bislang keinen konkreten Zeithorizont. „Zu den zentralen Herausforderungen gehört, dass wir nicht alles selbst beeinflussen können. Wenn wir klimaneutral sein wollen, müssen wir andere mitnehmen“, unterstreicht Karen Brune. Dennoch ist aus Sicht von Klimawende Köln auch für die Scope 3 Emissionen ein ambitioniertes Ziel notwendig, um das städtische Ziel der Klimaneutralität bis 2035 zu unterstützen.

4. Klimabilanz und Maßnahmen: Ein Blick auf die Hebel

Die Klimabilanz der Koelnmesse ist bislang nicht öffentlich verfügbar. Die Koelnmesse hat 2022 einen ersten Corporate Carbon Footprint (CCF) erstellt. Berücksichtigt wurden dabei allerdings nur die Verwaltungsgebäude und die leeren Messehallen (also der Grundbetrieb, ohne laufende Veranstaltungen). Die Bilanz entsprach damit nicht dem heute üblichen Standard des Greenhouse Gas Protocol. Eine Herausforderung für die Bilanzierung liegt zudem darin, dass die Emissionen abhängig von Zahl und Art der Veranstaltungen von Jahr zu Jahr stark schwanken. Verzerrungen ergeben sich zudem durch die Einschränkungen der Corona-Zeit. Ziel der Koelnmesse war laut Informationen des Nachhaltigkeitsmanagements die Veröffentlichung der Klimabilanz für das Jahr 2025 im Jahr 2026. Durch die Veränderungen der Anforderungen auf EU-Ebene sind jedoch die Berechnungsgrundlagen wieder revidiert worden. Weiterhin wurde der Zeithorizont zur verpflichtenden Berichterstattung nach hinten verschoben. „Die politische Unsicherheit und unklare Gesetzeslage ist für uns herausfordernd: Erst wird die Berichtspflicht kurzfristig eingeführt, dann wieder zurückgenommen und die Anforderungen geändert. Das nimmt uns die Planungssicherheit“, erklärt Nachhaltigkeitmanagerin Karen Brune.

Als größte Emissionsquellen in Scope 1 und 2 hat das Unternehmen den Betrieb der Gebäude und Hallen, die Mobilität von Ausstellern und Besuchern und die Abfallproduktion identifiziert. In diesen Bereichen setzt Koelnmesse vorrangig an, um Emissionen zu senken.

Scope 1 & 2: Erneuerbare Energien und Effizienz
Die Koelnmesse hat hier bereits weitreichende Maßnahmen geplant bzw. umgesetzt:
Stromversorgung: Seit 2022 bezieht die Koelnmesse zu 100 % Ökostrom, was jährlich über 15.000 Tonnen CO2 spart.
Wärmeversorgung: Bis 2028 wird die gesamte Wärmeversorgung des Messegeländes von Gas auf klimafreundliche Hochtemperatur-Wärmepumpen umgestellt. Diese großdimensionierten Wärmepumpen (12 Meter lang und 52 Tonnen schwer) werden Wärmeenergie aus dem Grundwasser gewinnen und dazu mit Ökostrom betrieben. Diese Umstellung soll 5.800 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Zusätzlich wird Abwärme aus Kühlprozessen genutzt. Mit dem Anschluss an das RheinEnergie-Fernwärmesystem soll die Koelnmesse künftig zeitweise zum Netto-Einspeiser klimafreundlich produzierter Fernwärme werden.
Photovoltaik: Die Koelnmesse hat 2024 insgesamt drei Photovoltaik-Anlagen auf ihren Hallendächern installiert. Darunter ist die mit 4.800 Modulen größte innerstädtische Photovoltaik-Anlage Kölns. Insgesamt betreibt die Koelnmesse Photovoltaik-Anlagen mit einer Modulfläche von mehr als 20.000 m² und einer jährlichen Kapazität von rund 3.000 MWh. In Summe werden damit 1.850 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Die Möglichkeit weiterer Photovoltaik-Anlagen auf weiteren Hallendächern im Norden des Messegeländes wird sondiert. Grundsätzlich wäre das Potenzial vorhanden, um die Solarfläche zu verdreifachen.
Sanierung und Effizienz: Mit dem Umstieg auf LED-Beleuchtung und besonders effiziente Lüftungsanlagen wird eine Energieeinsparung zwischen 50 und 80 Prozent realisiert. Beispielhaft sei hier die Umrüstung des Boulevard Nord auf LED-Leuchtmittel, die zu einer Energieeinsparung von 65.000 kWh pro Jahr geführt hat. Ziel ist es, alle Hallen sukzessive zu renovieren. Dabei wird insbesondere auf Effizienzgewinne bei der Luft- und Raumtechnik geachtet. Halle 2 wurde planmäßig im Sommer 2025 abgeschlossen, aktuell erfolgt die Renovierung der City Ost, danach sind die Hallen 11, 4 und 5 geplant. Im Rahmen des Modernisierungsprojekts „Koelnmesse 3.0“ werden lt. Angaben der Koelnmese 5 Mio. Euro allein in die LED-Umrüstung investiert.

Scope 3: Indirekte Emissionen im Fokus
Scope 3 ist für 70-90% aller Emissionen verantwortlich. Auch wenn die Beeinflussung hier schwieriger ist, geht die Koelnmesse das Thema Scope 3 an:
Logistikmanagement: Das eSlot-System für Lieferanten und Aussteller hat das Verkehrsaufkommen und damit Emissionen bereits erheblich reduziert. DB Schencker wird mit H2 Ladestation für Gabelstapler versorgt.
Anreise: Vergünstigte Bahntickets, optimale Anbindung an die Schiene und die Nutzung der emissionsoptimierten Navigations-App NUNAV fördern die umweltfreundliche Anreise für Aussteller und Besucher. Mitarbeitende der Koelnmesse GmbH profitieren von Home-Office-Regelungen, subventionierten Jobtickets und Angeboten zum Fahrradleasing.
Die Koelnmesse schafft bei Ausstellern und Messegästen zudem verstärktes Bewusstsein für eine klimafreundliche Anreise und zudem potenzielle Substitutionseffekte von Messen. So hat das Unternehmen erstmals eine eigene App namens CHEQ entwickelt, die für Fachbesuchende individuell errechnet, wie viel CO2-Emissionen sie konkret einsparen können, indem sie Geschäftstermine gebündelt auf Messen wahrnehmen und so ihre sonstige berufliche Reisetätigkeit reduzieren.
Elektromobilität: Mit künftig 164 Ladepunkten für E-Fahrzeuge, die mit Ökostrom betrieben werden, unterstützt die Koelnmesse die Verkehrswende.
Veranstaltungsmanagement: Als eine der ersten internationalen Großmessen hat sich die Koelnmesse im November 2021 dem „Net Zero Carbon Pledge“ angeschlossen. Alle unterzeichnenden Unternehmen und Organisationen verpflichten sich dem Ziel, die CO2-Emissionen im Veranstaltungssektor in Richtung Netto-Null zu führen.

5. Herausforderungen: Hürden auf dem Weg zur Klimaneutralität

Trotz der guten Ansätze gibt es weiterhin erhebliche Herausforderungen. Eine Hürde stellt auch die z.T. fehlende Planungssicherheit auf Bundesebene dar. Weitere Stellschrauben sind

Verfügbarkeit: Die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien und Speichertechnologien ist entscheidend, um die Transformation zu beschleunigen.
Finanzierung: Die erforderlichen Investitionen sind enorm. Es braucht kreative Finanzierungsmodelle, die nicht nur die kurzfristigen Kosten, sondern auch die langfristigen Vorteile und die Vermeidung von Folgekosten berücksichtigen.
Abfallmanagement: Der Bereich Abfall und Kreislaufwirtschaft ist ein zentraler Emissionsfaktor, der noch mehr Aufmerksamkeit benötigt. Die Vermeidung von Einwegprodukten und die Förderung der Kreislaufwirtschaft bei Messeständen sind wichtige, aber auch komplexe Aufgaben. Dazu baut die Koelnmesse die Nutzung von Pfandsystemen und den Einsatz zirkulärer Materialien kontinuierlich weiter aus. So nutzt die Koelnmesse Cradle-to-Cradle-zertifizierte Bodenbeläge für den eigenen Messebau. Für die Aussteller bietet die Koelnmessse neben modular wiederverwendbaren Standbausystemen verstärkt kreislauffähige Materialien im Individualstandbau an. Bis 2030 soll das durch die Koelnmesse unmittelbar beeinflussbare Abfallaufkommen um 50 Prozent gesenkt werden.

 

 6. Fazit: Gemeinsam für ein klimaneutrales Köln

Das Engagement der Koelnmesse ist – gerade auch im Vergleich mit anderen städtischen Unternehmen – bemerkenswert. Es zeigt, dass große Wirtschaftsunternehmen eine führende Rolle im Klimaschutz übernehmen können. „Ich sehe einen Erfolgsfaktor in der intrinsischen Motivation“, erklärt Kommunikationsmanager Tim Rademacher: „Die Koelnmesse wurde mit dem Anspruch gegründet, Frieden zu stiften; hier findet Innovation statt, hier wird Zeitgeist geprägt, hier kommt die Welt zusammen, um über Morgen zu reden. Wir wollen ein Schaufenster für den Wandel sein und eine Vorreiterrolle haben.

Die Maßnahmen in den Bereichen Scope 1 und 2 sind ambitioniert und wegweisend. Die Zielsetzung, die gesamte Energieversorgung bereits 2030 klimaneutral zu gestalten, ist ein starkes Signal und übertrifft die städtischen Vorgaben.

Dennoch bleibt auch für die Koelmesse GmbH noch einiges zu tun. Insbesondere im Bereich der Scope 3 Emissionen müssen die Anstrengungen intensiviert werden.

Forderungen der Klimawende Köln an die Koelnmesse:

  1. Scope 3 beschleunigen: Das Unternehmen sollte seine Vorreiterrolle nutzen und die Zusammenarbeit mit Ausstellern und Partnern weiter intensivieren, um die Emissionen im Bereich Mobilität (An- und Abreise) weiter zu senken. Konkrete Ziele für 2035 sollten festgelegt und kommuniziert werden.
  2. Kreislaufwirtschaft fördern: Ein verbindliches Konzept zur Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft, insbesondere für den Messebau, kann die ambitionierten Klimaziele der Koelnmesse GmbH unterstützen.
  3. Transparenz schaffen: Eine jährliche, detaillierte und öffentlich zugängliche Berichterstattung über die Klimabilanz sowie Fortschritte in allen Emissionsbereichen (Scopes 1, 2 und 3) schafft Vertrauen und ermöglicht eine bessere Nachverfolgung.
  4. Erfahrungen weitergeben: Als Vorreiter in Sachen Energiewende hat die Koelnmesse das Potenzial, ihr Knowhow und ihre (Lern-)Erfahrungen an andere städtische Unternehmen weiterzugeben und Multiplikatorenwirkung zu entfalten.

Quellen: