Kommunale Wärmeplanung der Stadt Köln

Die Kölner kommunale Wärmeplanung

Am 4.3.2026 hat die Koordinationsstelle Klimaschutz die kommunale Wärmeplanung im Ratsinformationssystem veröffentlicht. Sie soll den Kölner*innen Orientierung bieten, welche Heizsysteme möglich und welche sich am besten eignen.

Die kommunale Wärmeplanung bietet einen Orientierungsrahmen für den Übergang zu treibhausgasneutraler Wärmeversorgung bis spätestens 2045. Neben einer Bestandsaufnahme wurden Potentiale für Wärmeversorgung ermittelt und Zielszenarien entwickelt.

Kölner Wohngebäude – in der Innenstadt größtenteils zwischen 1948 und 1968 erbaut – werden derzeit vorrangig mit Erdgas versorgt (78%); Fernwärme deckt nur 8 % des Bedarfs.
Die Potentialanalyse hat Umweltenergiepotenziale ermittelt, wobei nach bisherigen Einschätzungen Außenluft (Luftwärmepumpen), oberflächennahe Geothermie (Grundwasserwärmepumpen) und Abwasserwärme relativ hohe Potentiale für Köln bieten.

Die Zielszenarien definieren Eignungsgebiete für klimaneutrale Wärmenetze (Fern- und Nahwärme) sowie dezentrale Versorgung (vor allem Luftwärmepumpen) (S. 65). In die Bestimmung dieser Gebiete fließen zusätzlich zu den Annahmen über die kosteneffiziente Wahl einer Wärmeerzeugungstechnologie, Annahmen über die Sanierungsraten und die räumlichen Umstände für Installationen ein. Im dicht bebauten Innenstadtbereich wird, entsprechend den Plänen der RheinEnergie, eine moderate Ausweitung der Fernwärme erwartet. Es gibt aber auch einige Gebiete, insbesondere rund um die Innenstadt, die vor allem für Wärmenetze geeignet wären, für die aber derzeit keine konkreten Pläne vorliegen. In den weniger dichtbesiedelten Stadtgebieten überwiegt in den Zielszenarien die Empfehlung einer dezentrale Wärmeversorgung.

„Die kommunale Wärmeplanung soll Orientierung bieten. Biomasse und Wasserstoff werden in Köln keine Rolle spielen – dagegen bietet die Wärmepumpe in vielen Bereichen eine kostengünstige, effiziente und praktische Möglichkeit für eine klimafreundliche Wärmeversorgung.“

Klimawende Köln

Auf zwei Kapitel aus der Potentialanalyse der Kölner kommunalen Wärmeplanung möchten wir besonders hinweisen: 3.4 Biomasse und 3.11 Wasserstoff. Wir teilen die Einschätzung der Stadtverwaltung und sehen kein großes Potential für diese Energieträger.

Biomasse und Biogas

Laut Landesamt für Natur, Umwelt und Klima in NRW (kurz: LANUK) hat Köln fast keine ungenutzten Potentiale zur Erzeugung von Biomasse für die Wärmeerzeugung. Neben einer entsprechenden Abhängigkeit von Flächenbereitstellungen anderswo bietet Heizen mit Biomasse weitere Nachteile: Beeinträchtigung der Luftqualität in Köln durch Feinstaub und Stickoxide und hohe Kosten für die Verbraucher*innen. Für Klimaschutz ist es besser, wenn Biomasse nicht verbrannt, sondern so verwendet wird, dass das CO2 dauerhaft gebunden bleibt.

Wie die Stadtverwaltung in einer ersten Reaktion auf die Regierungspläne zur Nutzung von Biogasen ausführt (Eckpunkte zum „Gebäudemodernisierungsgesetz“), sind diese in der kommunalen Wärmeplanung bisher nicht berücksichtigt. Weitere Nutzung von Erdgas ist nicht konform mit den gesetzlichen Vorgaben für Klimaneutralität, weshalb eine bloße Beimischung von Biogasen nicht die Anforderungen der kommunalen Wärmeplanung zur Ausweisung von CO2-neutralen Lösungen erfüllt. Eine vollständige Ersetzung des heutigen Erdgasverbrauchs durch Biogase in der bisherigen Gasinfrastruktur ist extrem unwahrscheinlich. Die Regierungspläne laufen deshalb der kommunalen Wärmeplanung entgegen und die Kölner Verwaltung tut sehr gut daran, Eigentümer*innen in Richtung anderer, kosteneffizienterer und klimafreundlicherer Lösungen zu lenken.

Wasserstoff

Wasserstoff kann auf drei verschiedene Art und Weisen in der Wärmeversorgung verwendet werden: als Ersatz für Erdgas in den Heizkraftwerken der RheinEnergie, die Strom und Wärme für das Fernwärmenetz erzeugen; als Gas zur Erzeugung von Prozesswärme in der Industrie und als Ersatz für Erdgas in Gasverteilnetzen, das dann in Gasthermen innerhalb von Wohngebäuden verbrannt wird. Wenn die Stadtverwaltung von Wasserstoff spricht, versteht sie darunter durch Elektrolyse mit erneuerbaren Energien hergestellten „grünen Wasserstoff“ – denn nur dieser ist klimaneutral. Die Stadtverwaltung schließt die Option einer dezentralen Verteilung zur Verbrennung in Gebäuden aus. Sie schreibt, dass die zukünftige Verfügbarkeit von Wasserstoff und der Ausbau der notwendigen Infrastruktur unsicher sind, dass anderen Sektoren wie der Industrie Wasserstoff prioritär zur Verfügung gestellt werden soll. Heizen mit Wasserstoff in Wohngebäuden wird ein vergleichsweise teurer Energieträger bleiben, aufgrund der niedrigen Energieeffizienz bei seiner Erzeugung. Die Stadtverwaltung stellt in Aussicht, die Frage von dezentraler Wasserstoffnutzung in Zukunft erneut zu prüfen, gibt aber auch zu bedenken, dass sich bis dahin wahrscheinlich kostengünstigere, derzeit verfügbare Lösungen wie etwa Wärmepumpen durchgesetzt haben werden. Diese Klarstellung ist sehr hilfreich für Immobilieneigentümer*innen, die durch Debatten über Wasserstoff in den vergangenen Jahren verwirrt und möglicherweise von der Verfolgung nachhaltiger Wärmelösungen abgehalten wurden.

Resümee

Die gerade vorgelegte kommunale Wärmeplanung bietet eine hilfreiche Orientierung für die Kölner Wärmewende. Die Verwaltung betont, dass dies eine strategische Planung ist, die keine rechtlichen Folgen hat und die Hauseigentümer*innen keine konkreten passgenauen Lösungen anbieten kann. Die Verwaltung zählt zahlreiche Maßnahmen zur Unterstützung der Wärmewende etwa im Bereich Beratung/Information und abgestimmte Planung für z.B. Wärmenetze auf, versteht sich aber im Wesentlichen als Koordinator dezentraler Entscheidungsprozesse. Dabei muss sie auch den Spagat leisten, die Zielsetzungen des Klimaschutzgesetzes zu konkretisieren, ohne dabei unrealistische Umsetzungspfade vorzuzeichnen (etwa bei Sanierungen). Angesichts dieser Schwierigkeiten hat die Verwaltung die Aufgabe gut gelöst, an die nun allerdings eine Weiterentwicklung der Planung und verschiedene Initiativen zur Beschleunigung der Wärmedekarbonisierung anknüpfen müssen.

Für vertiefende Informationen empfehlen wir:

Unseren Blogartikel über die Verwendung von Wasserstoff

Unsere Stellungnahme zur kommunalen Wärmeplanung der Stadt Köln [PDF]

Die offizielle Kommunale Wärmeplanung der Stadt Köln

Karte: für Wärmepumpen geeignete Gebiete - Stadt Köln