Klimaneutrale Fernwärme kommt später – vielleicht.
Die Pläne, wie RheinEnergie bis 2035 klimaneutrale Wärme bereitstellen will, werden immer unkonkreter
Eigentlich hatte RheinEnergie im Mediationsverfahren mit Klimawende Köln und der Stadtverwaltung im Sommer 2021 zugesagt, ihre Wärmeversorgung bis 2035 vollständig klimaneutral zu gestalten. Auf Basis dieser klaren Zielsetzung der RheinEnergie sahen wir von Klimawende Köln damals davon ab, die 26.000 Unterschriften für unser Bürgerbegehren mit dem Ziel „100 % Erneuerbarer Strom bei RheinEnergie bis 2030“ einzureichen. Zusätzlich beschloss der Kölner Stadtrat am 24.06.2021, dass alle städtischen Unternehmen bis 2035 klimaneutral werden sollen. Doch von diesem Geist der Verbindlichkeit ist wenig geblieben. An beide Beschlüsse scheint sich RheinEnergie nicht mehr gebunden zu fühlen: In der kommunalen Wärmeplanung der Stadt Köln mit dem Zieljahr 2045 für die Klimaneutralität hat sie nicht einmal solide Dekarbonisierungspläne für ihre Wärmenetze vorgelegt. Angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise ist dies erschreckend ungenügend.
Zusammenfassung
- Wir haben den Eindruck, dass sich RheinEnergie nicht mehr an das Ziel „klimaneutral bis 2035“ gebunden fühlt. Wir halten dieses Ziel aber nach wie vor für sehr wichtig.
- Die bisher von RheinEnergie vorgeschlagenen Maßnahmen reichen nicht aus, um eine klimaneutrale Wärmeversorgung in Köln bereitzustellen.
- Die „Wette auf Wasserstoff“ bringt keine Versorgungssicherheit und keine kostengünstige Wärmeversorgung.
- Die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist komplex, herausfordernd und verlangt zukunftsorientierte Investitionen. Daher finden wir es wichtig, dies öffentlich in der Kölner Stadtgesellschaft zu diskutieren und gemeinsam zu entscheiden.
- Die Kölner*innen brauchen mehr Klarheit, wo und wann Fernwärme verfügbar sein wird und zu welchen Kosten.
- Für eine effiziente, kostengünstige und klimaneutrale Wärmeversorgung schlagen wir vor: Wärmepumpen an Kölner Kläranlagen, Kalte Nahwärmenetze an Kölner Wasserwerken und große Wärmespeicher an allen Kraftwerksstandorten.
Wir fordern Transparenz bei den Fernwärme-Transformationsplänen
Nach aktueller Gesetzeslage müssen alle Fernwärmenetze bis 2030 einen Anteil von mindestens 30 % klimaneutraler Wärme durch Erneuerbare Energien und Abwärme erreichen. Laut Wärmeplanungsgesetz muss RheinEnergie spätestens bis zum 31.12.2026 in sogenannten „Wärmenetzausbau- und -dekarbonisierungsfahrplänen“ bzw. „Transformationsplänen oder Machbarkeitsstudien im Sinne der Richtlinie für die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze – BEW“ für alle 19 Wärmenetze darlegen, wie die Umstellung gelingen soll. Wir fordern die Veröffentlichung dieser Pläne: Wir möchten genau wissen, welche Strategien RheinEnergie dort festschreibt und möchten sie auf Plausibilität, Realisierbarkeit und Sinnhaftigkeit prüfen.
Es ist ein positives Signal, dass RheinEnergie in diesem Jahr mit dem Bau einer 150MW-Flusswärmepumpe im Niehler Hafen beginnt, die im Jahr 2028 in Betrieb genommen werden soll. Doch das Gesamtbild enttäuscht: Während im Mediationsverfahren weitere Großwärmepumpen und eine Solarthermieanlage verteilt auf alle Kraftwerksstandorte bis 2035 geplant waren, ist das derzeit nicht mehr der Fall. Bisher hat RheinEnergie nur Andeutungen, aber keine konkreten Pläne für weitere Großwärmepumpen öffentlich gemacht oder in der kommunalen Wärmeplanung angekündigt. Das ist umso bedauerlicher, weil die Großwärmepumpen bisher der einzig glaubhafte Weg zur Dekarbonisierung der Fernwärme darstellen und bis heute keine tragfähig erscheinende Gesamtlösung zur Dekarbonisierung der Kölner Fernwärme präsentiert wurde.
Kritik an der "Wasserstoff-Wette"
RheinEnergie setzt sehr stark auf die Umstellung ihrer Heizkraftwerke in Merkenich und Niehl auf Wasserstoff. Die Investitionskosten für den Anschluss der Kraftwerke an das Wasserstoff-Kernnetz müssen letztlich sowohl die Kund*innen der RheinEnergie direkt durch höhere Kosten beim Bezug von Strom und Wärme, als auch Kölner Bürger*innen, die nicht Kund*innen bei RheinEnergie sind, indirekt über höhere Netzentgelte bezahlen.
Das Wasserstoffkernnetz soll 2032 in Betrieb gehen. Woher der Wasserstoff kommen soll, ist aber bisher völlig unklar. In Deutschland gibt es bisher nur wenige und kleine Wasserstoff-Elektrolyseure und große Wasserstofferzeugungsanlagen in Südeuropa und Afrika sind noch in der Planung.
„Anders als RheinEnergie haben wir starke Zweifel, dass bis 2035 ausreichend und bezahlbarer Wasserstoff für Heizkraftwerke verfügbar ist.“ Klimawende Köln
Fernwärmeanschluss-Möglichkeit bleibt völlig unklar
Eine wichtige Information für Anwohner*innen im dichtbebauten Innenstadtbereich ist, dass RheinEnergie im Gebiet des Innenstadt-Fernwärmenetzes nicht jeden Anschlusswunsch erfüllen kann (siehe Kommunale Wärmeplanung S. 94), da die Leitungsquerschnitte beim Bau Mitte der 1980er Jahre für den damals zu erwartenden Wärmebedarf konzipiert wurden und nun nur noch wenig zusätzliche Wärme durch die vorhandenen Leitungen transportiert werden kann.
Umso unverständlicher finden wir daher, dass RheinEnergie trotzdem die Vorstreckungen ihres Fernwärmenetzes in weitere Gebiete plant und konkret vorantreibt. Insbesondere Pläne für Fernwärmenetze in Neubaugebiete (wie Deutzer Hafen, Parkstadt Süd, Max-Becker-Areal, Mülheimer Hafen, …) können wir nicht nachvollziehen. Neubauten benötigen nur sehr wenig Wärme und sind prädestiniert für eine dezentrale Wärmeversorgung z.B. mit Wärmepumpen.
Genau solche Pläne für den Deutzer Hafen haben wir mit einer offiziellen „Bürgeranregung“ kritisiert. Trotz der Gespräche mit RheinEnergie, der Modernen Stadt und der Stadtverwaltung wurde eine Fernwärmeleitung mit einer Länge von 1,5 km für ca. 7,5 Mio. Euro* vorgestreckt. Geplant war, dass das komplette Neubaugebiet an die Fernwärme angeschlossen wird. Nun stellt sich heraus: Nur ein paar wenige Bestandsgebäude sollen an die neu gebaute Fernwärmeleitung angeschlossen werden und für die Neubauten werden Wärmepumpen gewünscht.
* Annahme: bei angenommenen Kosten von 5.000 € pro Meter Fernwärmeleitung
Transformationspläne der Fernwärmenetze
Derzeit wird das Fernwärmenetz Innenstadt über das Heizkraftwerk in Köln-Niehl und das Heizwerk Südstadt mit einer Wärmeleistung von zusammen 695 MW versorgt. Außerdem gibt es einen 400 MWh-Wärmespeicher auf dem Kraftwerksgelände.
Im Mediationsverfahren hatte RheinEnergie zugesagt, bis 2024 eine 50 MW-Wärmepumpe und bis 2032 eine weitere 100 MW-Wärmepumpe auf dem Kraftwerksstandort im Niehler Hafen zu errichten. Die Pläne haben sich dahingehend geändert, dass die erste Großwärmepumpe jetzt erst 2026 gebaut und 2028 in Betrieb gehen soll. Dafür wird diese eine Leistung von 150 MW haben.
Laut Angabe von RheinEnergie bzw. Bericht in der FAZ (und laut Kommunaler Wärmeplanung, S. 96) wird diese große Flusswasser-Wärmepumpe das Fernwärmenetz Innenstadt im Jahresmittel zu ca. 30 % mit klimaneutraler Wärme versorgen können. Möglicherweise erfüllt RheinEnergie damit knapp die gesetzlich vorgeschriebene Quote bis 2030. Wir fragen uns: Was kommt dann? Laut § 29 Wärmeplanungsgesetz muss die Fernwärme bis 2040 mit mindesten 80 % Erneuerbarer Energie bereitgestellt werden. Die Angaben der RheinEnergie im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung (Seite 96) „Weitere Großwärmepumpen sollen ab 2030 hinzukommen.“ finden wir unzureichend.
„Wir fordern eine konkrete Planung weiterer Wärmeerzeugungsanlagen mit expliziter Angabe von Standorten, geplanten Wärmeleistungen und Technologien für eine 100 % klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2035!“ Klimawende Köln
Wir fordern zudem eine Prüfung, ob durch das Absenken der „garantierten Vorlauftemperatur“ nicht deutlich mehr Häuser an das bestehende Fernwärmenetz angeschlossen werden können. Das kann durch die Entkoppelung der Warmwasserbereitung geschehen, die dezentral erfolgen kann.
Derzeit wird das Fernwärmenetz Nord über das Heizkraftwerk in Köln-Merkenich und das Heizwerk Bocklemünd mit einer Wärmeleistung von zusammen 280 MW versorgt.
Im Mediationsverfahren gab RheinEnergie an, bis 2025 den Braunkohleblock im Kraftwerk Merkenich abzuschalten, was so auch erfolgte. Außerdem gab RheinEnergie an, bis 2030 eine 30 MW-Großwärmepumpe für das Fernwärmenetz Nord z.B. am Kraftwerksstandort in Köln-Merkenich, sowie bis 2025 einen 200 MWh-Wärmespeicher zu errichten. Letztes ist bisher nicht erfolgt und auch für die Großwärmepumpe gibt es derzeit keine konkrete Planung, geschweige denn Genehmigungsverfahren.
Die Angaben der RheinEnergie im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung (S. 96) sind sehr vage. Dort heißt es: „Die Restmüllverbrennungsanlage liefert dort bereits einen erheblichen Anteil an „regenerativer“ Abwärme für das Fernwärmenetz. Diese Abwärme soll ergänzt werden um eine oder mehrere Großwärmepumpen-Anlagen zur Nutzung von Umweltwärme aus dem Rheinwasser oder prozessualer Abwärme.“
Bisher gibt es also keine konkreten Pläne der RheinEnergie, wie das Nord-Netz dekarbonisiert werden soll.
„Wir fordern die RheinEnergie auf zu untersuchen, wie eine Flusswasser-Wärmepumpe am Kraftwerksstandort in Merkenich realisiert werden kann und wie die Abwärme der Restmüllverbrennungsanlage noch ergiebiger und ggf. weitere industrielle Abwärmepotentiale genutzt werden können.“ Klimawende Köln
Derzeit wird das Fernwärmenetz Ost über das Blockheizkraftwerk Merheim mit einer Wärmeleistung von 67,1 MW versorgt.
Im Mediationsverfahren gab RheinEnergie an, bis 2023 benachbart zum Kraftwerksstandort Merheim einen Solarthermie-Anlage mit einer Leistung von 5 MW zu errichten. Dies ist nicht erfolgt und die Umsetzung ist von RheinEnergie auch nicht mehr beabsichtigt. Immerhin hat RheinEnergie, wie zugesagt, einen 100 MWh-Wärmespeicher in Merheim errichtet.
In der Kommunalen Wärmeplanung (S. 97) heißt es für das Fernwärmenetz Ost: „Das Ost-Netz weist nur geringe erneuerbare Potenziale im Kölner Osten auf, die für eine vollständige Dekarbonisierung kaum ausreichen. Daher entsteht derzeit eine Machbarkeitsstudie zur „Verbindung mit dem Innenstadtnetz“. Mitteltiefe Geothermie-Potenziale werden weiterhin geprüft.“
Derzeit untersucht der Geologische Dienst NRW das Geothermie-Potential der Paffrather Mulde und führt dafür eine Probebohrung in Köln-Dellbrück durch. Erkundet werden dabei die Gesteinsformationen, um zu herauszufinden, ob und wenn ja in welcher Tiefe wasserführende Schichten sind und wie hoch dort die Grundwasser-Förderrate ist. Die Ergebnisse sollen im Herbst 2026 vorliegen und veröffentlicht werden.
„Auf den Ergebnissen der Probebohrung aufbauend fordern wir RheinEnergie auf zu untersuchen, ob die Errichtung einer Geothermie-Anlage machbar ist und ob damit die dicht bebauten Wohngebiete in Kalk und Mülheim nachhaltig mit Wärme aus tiefer Geothermie versorgt werden können.“ Klimawende Köln
Eine teure Verbindungsleitung, wie in der Kommunalen Wärmeplanung auf Seite 97 beschrieben, die das östliche Fernwärmenetz mit dem Innenstadtnetz verbinden soll, halten wir dagegen für nicht zielführend. Der Bau der Verbindungsleitung würde viele Millionen Euro kosten und die klimaneutrale Wärmeerzeugung kein Stück voranbringen. Und da das Fernwärmenetz Innenstadt selbst nur mit knapp 30 % erneuerbare Wärme durch die eine Flusswasser-Wärmepumpe versorgt wird, befürchten wir, dass RheinEnergie damit gegen § 32 des Wärmeplanungsgesetzes verstoßen wird, nämlich bis 2030 mindestens einen Anteil von 30 % erneuerbare Wärme in ihren Netzen zu erreichen.
Fazit:
Wir fordern RheinEnergie auf, zunächst konkrete und belastbare Transformationspläne für ihre Wärmenetze zu erarbeiten und zu veröffentlichen, bevor weitere teure Fernwärmetrassen ohne gesicherte klimaneutrale Wärmequellen geplant und gebaut werden.
PS: So sieht die „moderne“ Fernwärmevorstreckung der RheinEnergie derzeit aus:
Weil nicht genügen Wärme in Köln-Kalk ankommt, wird in der Dillenburger Straße ein Fernwärme-Booster benötigt.
Unsere Vorschläge für ergänzende Maßnahmen für eine effiziente, kostengünstige und klimaneutrale Wärmeversorgung
a) Wärmepumpen am Auslauf aller Kölner Kläranlagen
Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung (KWP) wurde ein großes Wärmepotenzial von 114 GWh/a für den Auslauf des in den Kläranlagen gereinigten Abwassers ermittelt, davon allein 90 GWh/a am Großklärwerk Stammheim. Neben dem großen Wärmepotenzial hat der Auslauf bei Kläranlagen die Vorteile, dass (im Gegensatz zum Abwasser) keine Schmutzfracht mitgeführt wird und die Temperatur vergleichsweise stabil ist.
Im Rahmen dieser Maßnahme soll gemeinsam mit den Stadtentwässerungsbetrieben Köln (StEB) und interessierten Wärmenetzbetreibern ermittelt werden, wie die Wärmepotenziale aus dem Auslauf aller Kölner Kläranlagen (Stammheim, Langel, Rodenkirchen, Weiden, Wahn) z.B. für Nahwärmenetze genutzt werden können.
b) Kalte Nahwärmenetze an allen Kölner Wasserwerken
Es wird geplant, für das Neubaugebiet Rondorf-Nordwest das Wärmepotenzial des vom Wasserwerk Hochkirchen geförderten Trinkwassers für ein kaltes Nahwärmenetz zu nutzen.
Im Rahmen dieser Maßnahme soll gemeinsam mit RheinEnergie (als Trinkwasserversorgerin) geprüft werden, ob und wie auch die Wärmepotenziale der Wasserwerke Erker Mühle, Höhenhaus, Rösrath-Leidenhausen, Weiler, Weißer Bogen, Westhoven und Zündorf erschlossen und genutzt werden können.
c) große Wärmespeicher an allen Kraftwerksstandorten
RheinEnergie sollte für alle Fernwärmenetze große Wärmespeicher errichten, um Flexibilität zu gewinnen und Kosten zu senken.
Anhang
Derzeit betreibt RheinEnergie die folgenden Anlagen ausschließlich mit fossilem Erdgas:
| Kraftwerk | Block | Wärmeerzeugungsleistung |
| Merkenich | Block 4 | 90,0 MW |
| Merkenich | GuD | 71,3 MW |
| Merkenich | Kessel | 80,0 MW |
| Bocklemünd | HW | 35,0 MW |
| Niehl | GuD Niehl 2 | 240 MW |
| Niehl | GuD Niehl 3 | 265 MW |
| Merheim | BHKW | 29,2 MW |
| Merheim | Kessel | 37,9 MW |
| Südstadt | HW | 190 MW |
Darüber hinaus betreibt RheinEnergie:
| Anzahl | Anlagen | Wärmeerzeugungsleistung |
| 40 | Erdgas BHKW | 15,3 MW |
| 238 | Erdgas Heizwerke / -kessel | 325,2 MW |
| 18 | Heizöl Heizwerke / -kessel | 18,1 MW |
Das bedeutet, dass RheinEnergie in Köln derzeit Anlagen mit einer installierten Wärmeerzeugungsleistung von 1.388 MW fossil betreibt. Dem gegenüber steht eine geplante Großwärmepumpe mit einer installierten Leistung von 150 MW für das Fernwärmenetz Innenstadt (das entspricht also nur etwa einem Zehntel der installierten Wärmeerzeugungsleistung).
Für die Dekarbonisierung der anderen Fernwärmenetze gibt es bisher keinerlei konkrete Planungen oder öffentliche Ankündigungen. Das gilt genauso für die weiteren Nahwärmenetze und Blockheizkraftwerke der RheinEnergie.