Kraftwerk Herne

Der Plan der Katherina Reiche

  • Ein Geschenk für Energieversorger
  • Verlängerung der Importabhängigkeit von fossilem Erdgas
  • Verteuerung von Strom für Industrie und Verbraucher*innen
  • Bruch der Klimaschutzverpflichtungen

Eine Gas-Lobbyistin wird Wirtschaftsministerin

Als Friedrich Merz im Mai 2025 sein neues Kabinett vorstellte, war die Vergabe der Leitung des Ministerium für Wirtschaft und Energie für viele keine große Überraschung. Die Nachfolge von Robert Habeck (Grüne) trat Katherina Reiche (CDU) an, die als Staatssekretärin des damaligen Bundesumweltministers Peter Altmaier (CDU) dafür gesorgt hat, dass sich die Zahl der Arbeitsplätze in der seinerzeit erfolgreichen deutschen Solarindustrie ab 2012 von rund 120.000 auf 45.000 verringerte (“Altmaier-Knick”). Reiche ist 2015 übergangslos aus der Politik in die Wirtschaft gewechselt, zunächst zum Verband kommunaler Unternehmen (VKU).

Vor ihrem Amtsantritt war Reiche fünf Jahre lang Vorstandsvorsitzende der E.ON-Tochter Westenergie AG, die ein 38.000 km langes Gasnetz betreibt. Damit hat nun eine Lobbyistin aus der fossilen Energiebranche die Aufgabe, die deutsche Wirtschaft im Namen der neuen Bundesregierung zu „gestalten“.

Reiche gab von Anfang an die Richtung vor: Die Ministerin bezeichnete schon am Anfang ihrer Amtszeit den Klimaschutz als „überbetont“ und hinterfragte die deutschen Klimaziele. Zudem pflegt Reiche weiterhin enge Kontakte zu Wirtschaftsverbänden. Bei Treffen mit der “Stiftung Familienunternehmen”, einer Lobbyorganisation für Superreiche, gaben Ministerin Reiche und ihr Staatssekretär Tipps, wie Millionäre und Milliardäre Steuersenkungen erreichen können. Zudem nahm sie Ende 2025 an einem exklusiven Treffen mit Wirtschaftsbossen und internationalen Politiker*innen teil – angeblich als Privatperson, doch das ist nach der Veröffentlichung einer internen Broschüre des Treffens mehr als fraglich.

Abhängigkeit von fossilem Gas

Nach dem Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine wurde die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas überdeutlich. Statt daraus Lehren zu ziehen, schafft die Bundesregierung jetzt neue Abhängigkeiten. Flüssiggas-Terminals und langfristige Lieferverträge verlagern die Abhängigkeit von Russland hin zu Fracking-Gas aus den USA und anderen autoritären oder instabilen Regimen.

Deutschland zählt weiterhin weltweit zu den zehn größten Gasverbrauchern und fossiles Gas ist allgegenwärtig: Es wird zum Heizen, zur Stromerzeugung und in der Industrie eingesetzt. Rund jeder zweite Haushalt heizt mit fossilem Gas. 2024 machte Erdgas etwa 15 Prozent des deutschen Strommixes aus und in der Industrie entfällt etwa ein Drittel der verbrauchten Energie auf den fossilen Energieträger.

Diese Abhängigkeit ist für Verbraucher*innen und den Staat eine massive finanzielle Belastung. Gaskraftwerke liefern im Vergleich zu erneuerbaren Energien den teuersten Strom und müssen beim Neubau mit Milliarden an Steuergeldern subventioniert werden.

Zusätzlich wird der steigende CO₂-Preis Erdgas in den kommenden Jahren verteuern. Allein im Jahr 2024 hat Deutschland Erdgas im Wert von 17 Milliarden Euro importiert – ein riesiger Geldabfluss, von dem vor allem wenige große Energiekonzerne entlang der Lieferkette für fossiles Gas profitieren.

Reiche gibt Vollgas

Statt auf den Ausbau der sauberen erneuerbaren Energien zu setzen, verfolgt die aktuelle Regierung eine Politik der Gasexpansion. In ganz Deutschland werden neue Gasbohrungen, Gaskraftwerke, Gas-Pipelines und Flüssiggas-Terminals geplant. Es droht ein fossiler Lock-In und damit eine langfristige Abhängigkeit von fossilem Gas.

Kern der fossilen Expansion ist die sogenannte “Kraftwerksstrategie”. Im Koalitionsvertrag hatte die Bundesregierung angekündigt, im Rahmen dieser Strategie neue fossile Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 20 GW auszuschreiben. Weil niemand diese Gaskraftwerke ohne hohe Subventionen bauen und betreiben würde, muss die EU sie genehmigen. Am 15.01.2026 gab es eine Grundsatzeinigung zwischen der Bundesregierung und der EU-Kommission über Zubau von fossilen Gaskraftwerke mit einer Leistung von bis zu 12 GW.

Noch in diesem Jahr soll die Ausschreibung beginnen. Aktuell verhandelt das Wirtschaftsministerium mit der EU-Kommission über zusätzliche Kraftwerksausschreibungen mit einer Leistung bis zu 41 GW: Demnach sollen zusätzlich zu den bereits bekannten 12 Gigawatt noch vor 2030 weitere Ausschreibungen für steuerbare Leistungen erfolgen: in 2027 im Umfang von 21 bis 26 Gigawatt, in 2029 im Umfang von 3 bis 8 Gigawatt. Alle Kapazitäten sollen 2031 verfügbar sein. (Für die weiteren Ausschreibungen gibt es keine technologischen Vorgaben, allerdings auch keinerlei Anreize zur Dekarbonisierung. Lediglich Kohle wird ausgeschlossen. Auch Bestandskraftwerke dürfen sich an den Ausschreibungen beteiligen.)

Gleichzeitig werden klimafreundliche Alternativen wie Batteriespeicher, die überschüssigen Strom aufnehmen und bei Bedarf wieder ins Netz abgeben können, benachteiligt. Statt den Umbau zu einer sauberen und unabhängigen Energieversorgung voranzutreiben, legt Reiche den Fokus auf fossile Stromerzeugung. Laut der Energieökonomin Claudia Kemfert wären grundsätzlich keine neuen Gaskraftwerke nötig, wenn die Bundesregierung klimafreundlichere Strategien wählen würde.

„Auch „nur“ 12,5 GW neue Gaskraftwerke sind ein brandgefährlicher fossiler Irrweg und kosten die Steuerzahler*innen Milliarden von Euro.“ Zitat von Fridays for Future

Wie sollte die Versorgungssicherheit gewährleistet werden?

Als Begründung führt Katherina Reiche an, dass diese Gaskraftwerke für die Versorgungssicherheit der Stromversorgung in Deutschland notwendig seien. Dabei gibt es effektivere und kostengünstigere Möglichkeiten, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wie z.B. moderne Großbatteriespeicher, ein intelligentes Lastmanagement im Stromsystem sowie die Nutzung von Strom über das europäische Netz.

„Derzeit gibt es keine aktuelle und valide Berechnung, die den rasanten Zubau von Großbatteriespeichern für die kommenden Jahre, die Möglichkeiten von Lastmanagement und Verfügbarkeit von Strom aus dem europäischen Netz valide abschätzt. Somit gibt es auch keinen wissenschaftlich fundierten Beleg, wie groß die sogenannte Versorgungslücke sein wird.“
Klimawende Köln

Festzustellen ist, dass der Ausbau der Stromnetze nicht mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien mithalten kann. So gibt es einen Antragsstau für sogenannte „Netzanschlussbegehren“. Aber anstatt die Stromnetze schneller auszubauen und zu ertüchtigen, möchte Frau Reiche den Zubau von Großbatteriespeichern sowie großen Photovoltaik- und Windkraftanlagen beschränken. Entschädigungszahlungen, die bei der Zwangsabschaltung vor allem großer Windenergieparks fällig werden, will sie abschaffen und zusätzlich die Betreiber an den Kosten des Netzausbaus beteiligen. So wird der Netzausbau nicht schnell genug vorankommen und die Energiewende weiterhin ausgebremst.

Während erneuerbarer Strom immer günstiger wird, sollen Milliarden aus Steuergeldern ermöglichen, dass die Gaskraftwerke dauerhaft bereitstehen. Denn da sie nur dann hochgefahren werden sollen, wenn erneuerbare Energien nicht ausreichend zur Verfügung stehen, wird ihr Betrieb teuer und unwirtschaftlich sein. Ohne staatliche Subventionen würden Energieunternehmen diese Gaskraftwerke nicht bauen und betreiben.

Statt die natürlichen Schwankungen von Wind- und Solarstrom mit Großbatteriespeichern auszugleichen, wird eine klimaschädliche Technologie bevorzugt. Versorgungssicherheit wird zum Vorwand für fossile Zerstörung. Die Investitionen in Gaskraftwerke sind nicht nur unnötig, sondern unwirtschaftlich und brandgefährlich.

Mit jedem neu gebauten Gaskraftwerk wird die Abhängigkeit von Erdgasimporten verlängert. Wollen wir nicht gerade unabhängig von Gasimporten aus Russland werden? Und ist der Import von Fracking-Gas aus den USA wirklich unser Ziel? Für uns ist klar, wir sollten so schnell wie möglich kein Gas mehr von Staaten mit autoritärer Agenda kaufen. Stattdessen sollten wir massiv in den weiteren Ausbau von Erneuerbaren Energien investieren.

Statt ernsthaft über Kosteneinsparungen im Energiesektor zu sprechen, will Wirtschaftsministerin Reiche den Bau und den Betrieb neuer Gaskraftwerken mit Milliarden an Steuermitteln subventionieren.

Wenn es Frau Reiche wirklich um Kosteneinsparungen bei der Energieversorgung geht, sollte sie nicht Milliarden Euro für den Bau und Betrieb von Gaskraftwerken verpulvern, die nur wenige Stunden im Jahr laufen sollen und spätestens 2045 stillgelegt werden müssen.

Tim Petzoldt

Energie-Experte, Klimawende Köln

Außerdem müssten für diese Gaskraftwerke zusätzliche CO2-Zertifikate gekauft werden und Strafzahlungen an die EU würden fällig, wenn Deutschland seine Klimaziele nicht einhält.

Klimawende Köln fordert:

  • Gasausstieg bis 2035, um das Klimaschutzabkommen von Paris einzuhalten
  • eine schnellere Elektrifizierung des Wärme- und Verkehrssektors
  • den Ausbau von Erneuerbaren Energien, damit der Stromsektor bis 2035 zu 100 % klimaneutral ist
  • keine Subventionierung des Baus von neuen Gaskraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen
  • einen planvollen Ausbau von Stromnetzen, sowie Strom- und Wärmespeichern
  • die sofortige Installation von intelligenten Stromzählern bundesweit, damit der Stromverbrauch flexibel gestaltet werden kann

So wird die Politik von Katherina Reiche eingeordnet:

Versteckter Frontalangriff – Wie Katherina Reiche die Energiewende beerdigt, ein Blogartikel von Energie-Experte Gerd Schöller
Wie Katherina Reiche die Energiewende sabotiert, von Greenpeace, Dezember 2025
Haben Sie Gas jetzt verstanden? Die Anstalt, ZDF, Dezember 2025

Und was bedeutet Reiches Plan für Nordrhein-Westfalen?

Ein Blick auf den Kohleausstieg

Die industrielle Revolution im 20. Jahrhundert wurde im Ruhrgebiet durch Kohlekraftwerke mit Steinkohle aus eigener Förderung befeuert. Im Dezember 2018 stellte Deutschland den Steinkohlebergbau ein, weil er zu aufwendig und kostenintensiv geworden war. Seitdem muss Steinkohle für die deutschen Steinkohlekraftwerke importiert werden.

Durch den enormen Ausbau von Windenergie und Photovoltaik wird mittlerweile so viel erneuerbarer Strom erzeugt, dass immer weniger und immer seltener Strom aus Steinkohlekraftwerken benötigt wird. Diese sind immer seltener im Einsatz, werden dadurch für die Kraftwerksbetreiber immer unrentabler und wurden daher in den letzten Jahren – politisch gefördert – Block für Block abgeschaltet.

Im Bundestag wurde am 8.8.2020 der schrittweise, bundesweite Kohleausstieg beschlossen. Nach dem Kohleausstiegsgesetz soll bis 2035 das letzte Steinkohlekraftwerk und bis 2038 das letzte Braunkohlekraftwerk in Deutschland vom Netz gehen.

Braunkohleausstieg: Darüber hinaus hat die aktuelle schwarz-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen mit RWE im Dezember 2022 einen vorgezogenen Braunkohleausstieg bis zum 31.3.2030 verhandelt. Dieser beinhaltet, dass der Betrieb der Braunkohle-Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden, sowie der Braunkohlekraftwerke Neurath, Niederaußem und Weisweiler bis spätestens 2030 eingestellt wird. Das Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf wurde schon im September 2021 endgültig stillgelegt.

Steinkohle: Die blockweise Stilllegung der Steinkohlekraftwerke in Nordrhein-Westfalen ist in Tabelle 1 und Karte 1 dargestellt:

Tabelle 1: Stilllegung der Steinkohlekraftwerke in NRW

Energieversorger

Kraftwerk

Nettoleistung: Strom (Wärme)

Stilllegung

aktueller Status

RWE

Voerde West I + II

712 MW

31.3.2017

endgültig stillgelegt

Voerde A + B

1.522 MW

31.3.2017

endgültig stillgelegt

Gersteinwerk / Werne

620 MW

29.3.2019

endgültig stillgelegt

Ibbenbüren B

794 MW

8.7.2021

endgültig stillgelegt

Westfalen E / Hamm

764 MW

8.7.2021

endgültig stillgelegt

UNIPER

Heyden 4

875 MW

30.9.2024

endgültig stillgelegt

Scholven FWK

70 (244) MW

30.3.2024

endgültig stillgelegt

Scholven C

345 MW

30.3.2024

Netzreserve
bis 31.3.2031

Scholven B

345 MW

30.11.2024

Netzreserve
bis 31.3.2031

Datteln 4

1.052 MW

01.04.2034

In Betrieb

IQONY

Bergkamen A

717 MW

31.3.2024

Netzreserve
bis 31.3.2028

Herne 4

435 (550) MW

31.7.2024

Netzreserve
bis 31.3.2031

Walsum 9

370 (295) MW

8.7.2021

endgültig stillgelegt

Walsum 10

725 (75) MW

30.6.2026 oder 2032

in Betrieb

Trianel

Lünen

746 (35) MW

2032

in Betrieb

Kohlekraftwerke in NRW

Kraftwerksstandorte: von Kohle zu Gas?

Auf den Grundstücken der stillgelegten Kohlekraftwerke planen die Energieversorger, neue Erdgaskraftwerke zu bauen. Diese sollen später für den Betrieb mit Wasserstoff umgerüstet werden können (H2-Ready). Die Pläne sind teilweise sehr konkret und einige entsprechende Genehmigungen für den Bau und Betrieb wurden schon beantragt. Die finalen Investitionsentscheidungen für die Gaskraftwerkspläne stehen in der Regel aber noch aus. Nach eigenen Angaben machen die Energieversorger diese Entscheidungen von etwaiger finanzieller Unterstützung seitens des Bundes abhängig. Die Bundesregierung wollte eine entsprechende Unterstützung auf den Weg bringen, scheitert damit jedoch bisher an beihilferechtlichen Bedenken der EU. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verhandelt derzeit mit der EU-Kommission über dieses Thema.

Tabelle 2: in NRW geplante Gaskraftwerke

Energieversorger

Kraftwerk

Nettoleistung:
Strom / Wärme

Geplanter Baubeginn:

Geplante Inbetriebnahme:

RWE

Voerde

850 MW

Mitte 2026

2030

Gersteinwerk / Werne

800 MW

Mitte 2026

2030

Weisweiler

800 MW

Mitte 2026

2030

Goldenberg

120 MW

Mitte 2026

2029

STEAG IQONY

Bergkamen

880 MW

2028

2031

UNIPER

Scholven

835 MW

?

2030

TRIANEL

Hamm-Uentrop

500 MW

2027

2029

in NRW geplante Gaskraftwerke
Kraftwerk Voerde

Stilllegung und Abriss des alten Kohlekraftwerks: Das Steinkohlekraftwerk Voerde wurde am 31.03.2017 stillgelegt. Im Juli 2023 wurde mit den Abrissarbeiten begonnen. Am 3. Dezember 2023 wurde der Kühlturm des Kraftwerks und am 19.12.2025 der Schornstein gesprengt. 2026 soll der Rückbau des Kohlekraftwerks abgeschlossen werden. [WDR]
Planungsrechtliche Voraussetzungen: Am 9.4.2025 wurde ein Bebauungsplan für den Betrieb eines Gaskraftwerks, Stromspeicher, Wasserstofferzeugung und Umspannwerk beschlossen. [Geoportal Niederrhein]
Genehmigungsverfahren: Das Genehmigungsverfahren für ein wasserstofffähiges Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk wurde von RWE im März 2025 eingeleitet. Mit der Planung und dem Bau hat RWE bereits 2024 ein amerikanisch-spanisches Konsortium aus GE Vernova und Tecnicas Reunidas beauftragt.
Bau und Inbetriebnahme: Der Baubeginn des neuen Gaskraftwerks mit 850 MWel wurde für Mitte 2026 angekündigt. Das Gaskraftwerk soll 2030 in Betrieb gehen und technisch in der Lage sein, mindestens 50 % Wasserstoff zu nutzen. Eine spätere Umrüstung für die 100%ige Wasserstoffnutzung ist geplant. [RWE] [Visualisierung des geplanten Gaskraftwerks]
Anbindung an das Wasserstoffnetz: Der Kraftwerksstandort liegt nah an einer der geplanten Leitungen des Wasserstoffkernnetzes [H2Land-NRW]. Ein Planfeststellungsverfahren für eine Anschlusspipeline zwischen Wasserstoffnetz und Kraftwerk wurde bisher nicht eingeleitet.
Stimmen aus der Bevölkerung: Am 9.4.2025 hieß es in einem Artikel des WDR: „Für Anwohner in Voerde würde das erneut zu Lärm- und Geruchsbelastung führen. Gemeinsam mit der Stadt Voerde werde man im Genehmigungsprozess prüfen, wie hoch diese Belastungen sein werden, heißt es von RWE.“

Kraftwerk Gersteinwerk in Werne

Stilllegung und Abriss des alten Kohlekraftwerkes: Nach den Steinkohleblöcken A, B, C, D und E wurde am Kraftwerksstandort Gersteinwerk bei Werne im Kreis Unna am 29.03.2019 der letzte Steinkohleblock K2 endgültig stillgelegt. Die Blöcke A-E sind bereits abgerissen. Die Sprengung des Schornsteins von Block K erfolgte am 12. Oktober 2025. Die Abbrucharbeiten sollen Ende 2025 abgeschlossen sein. [SZ & RWE]
Seit den 1970er Jahren gibt es auf dem Kraftwerksgelände fünf Gaskraftwerksblöcke: F, G und K1, die derzeit in der Kapazitätsreserve sind, sowie die derzeit stillgelegten Blöcken H und I. [Wikipedia & RWE]
Planungsrechtliche Voraussetzungen: Im Bebauungsplan der Stadt Werne von 1978 ist die Kraftwerksfläche als „Versorgungsfläche Elektrizitätswerk einschließlich Nebenanlagen“ gemäß § 9 (1) BBauG ausgewiesen. [Stadt Werne] Eine Änderung des Bebauungsplans für den neuen Gaskraftwerksblock ist vermutlich nicht erforderlich.
Genehmigungsverfahren: Am 29.05.2024 hat RWE angekündigt, am Kraftwerksstandort Gersteinwerk ein neues wasserstofffähiges Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD-Kraftwerk) mit einer Leistung von 800 MWel bauen zu wollen, das von Beginn an mit bis zu 50 % Wasserstoff betrieben werden kann. Ab 2035 soll das Kraftwerk mit bis zu 100 % Wasserstoff betrieben werden können. Dafür hat RWE ein Konsortium aus Ansaldo Energia (Italien) und Tecnicas Reunidas (Spanien) mit der Genehmigungsplanung beauftragt. Das Genehmigungsverfahren wurde im Juni 2024 eingeleitet. Außerdem hat RWE am 25.11.2025 den Bau zweier Schornsteine für die bestehende Blöcke H und I beantragt [UVP-Verbund].
Bau und Inbetriebnahme: Über Baumaßnahmen für den neuen Gaskraftwerksblock ist nichts bekannt – die Inbetriebnahme ist für 2030 geplant.
Anbindung an des Wasserstoffnetz: Mittlerweile ist klar, dass das Wasserstoffkernnetz auch durch den Kreis Unna verlaufen soll. [H2Land-NRW] Ein Planfeststellungsverfahren für eine Anschlusspipeline zwischen Wasserstoffnetz und Kraftwerk wurde bisher nicht eingeleitet.

Braunkohlekraftwerk Weisweiler

Stilllegung und Abriss des alten Kohlekraftwerkes: Die Braunkohlekraftwerksblöcke A bis F wurden bereits stillgelegt (zuletzt Block F am 1.1.2025). Die verbleibenden Blöcke G und H sollen zum 1.4.2028 und 1.4.2029 stillgelegt werden. Es gibt schon jetzt zwei „Vorschaltturbinen“, die mit Erdgas betrieben werden – der Kraftwerksstandort verfügt über eine Anbindung ans Erdgasnetz. [Wikipedia]
Planungsrechtliche Voraussetzungen: Die Städteregion Aachen hat auf ihrem Geoportal keinen Bebauungsplan für den Kraftwerksstandort Weisweiler hinterlegt. [Geoportal Städteregion Aachen] Von daher ist nicht so einfach überprüfbar, ob die planungsrechtlichen Voraussetzungen vollständig erfüllt sind. Wenn es aber für das Kohlekraftwerk einen passenden Bebauungsplan gibt, ist davon auszugehen, dass dieser auch für den Betrieb des geplanten Gaskraftwerkes passt. Diese Einschätzung hat auch der BUND-NRW.
Genehmigungsverfahren: RWE plant, am Standort Weisweiler ein GuD-Kraftwerk mit einer Leistung von 800 MW zu errichten, das von Beginn an mit bis zu 50 % Wasserstoff betrieben werden kann. Ab 2035 soll das Kraftwerk mit bis zu 100 % Wasserstoff betrieben werden können. RWE hat im Juli 2023 auch hier das italienisch-spanisches Konsortium (Ansaldo Energia und Tecnicas Reunidas) mit der Genehmigungsplanung beauftragt. [RWE]
Das Genehmigungsverfahren bei der zuständigen Bezirksregierung Köln wurde im März 2024 eingeleitet. Die nach BImSchG erforderliche Öffentlichkeitsbeteiligung hat im November 2025 stattgefunden. [UVP-Verbund] Die Genehmigungsbehörde ist die Bezirksregierung Köln. Laut Antragsunterlagen soll der Bau des Gaskraftwerkes auf dem RWE-Gelände in Weisweiler neben dem noch bestehenden Braunkohlekraftwerk erfolgen.
Bau und Inbetriebnahme: Der Baubeginn ist für Mitte 2026 und die Inbetriebnahme für 2030 vorgesehen.
Anbindung an des Wasserstoffnetz: Es ist geplant, dass eine Pipeline des Wasserstoffkernnetzes am Kraftwerk Weisweiler entlanglaufen soll. Diese Pipeline muss aber noch von Open Gride Europe (OGE) geplant, genehmigt und gebaut werden. Ein Planfeststellungsverfahren für eine Anschlusspipeline zwischen Wasserstoffnetz und Kraftwerk wurde bisher nicht eingeleitet. 2031 soll sie in Betrieb genommen werden. [H2Land-NRW] [OGE]
Anbindung an die Fernwärme: Eine Fernwärmeleitung in das 17 km entfernte Aachen existiert schon. Genutzt wird bisher die Abwärme der Restmüllverbrennungsanlage, die ebenfalls auf dem Kraftwerksgelände betrieben wird. [EnergateMessenger]
Stimmen aus der Bevölkerung: Der WDR berichtete über eine Informationsveranstaltung von RWE am 21.03.2024 u.a. auch, dass es Bürger gäbe, die dem Kraftwerk gegenüber positiv eingestellt seien.

Kraftwerk Goldenberg im Industriepark Hürth-Kalscheuren

Stilllegung und Abriss des alten Kohlekraftwerkes: Spätestens 2030 soll der Braunkohlekraftwerksblock endgültig stillgelegt werden. Derzeit wird dieser noch zur Wärmeerzeugung genutzt unter Mitverbrennung von Klärschlamm und Altholz.
Planungsrechtliche Voraussetzungen: …
Genehmigungsverfahren: Im Mai 2025 wurde bekannt, dass RWE im Industriepark Hürth-Kalscheuren ein Gaskraftwerk mit 28 Gasmotoren und einer elektrischen Leistung von bis zu 120 MW errichten möchten. Die Gasmotoren sollen 100 % wasserstofffähig sein. Die zusätzliche Auskopplung von Wärme ist technisch und wirtschaftlich nicht möglich. RWE wollte im Spätsommer 2025 die Antragsunterlagen einreichen und rechnet mit der Erteilung der Genehmigung Mitte 2026. [KR]
Bau und Inbetriebnahme: Nach einer geplanten Bauzeit von ca. 2,5 Jahren soll dass Kraftwerk Anfang 2029 in Betrieb gehen.
Anbindung an des Wasserstoffnetz: Der Industriepark Hürth-Kalscheuren soll ca. 2029 an das Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen werden. [H2Land-NRW]

Exkurs: RWE

In zahlreichen Presseerklärungen hat RWE in den letzten zwei Jahren immer wieder betont, dass sich RWE für die Kraftwerksstandorte Voerde, Gersteinwerk/Werne und Weisweiler auf die Teilnahme an einer Ausschreibung für Gaskraftwerke vorbereitet, um nach einem Zuschlag zügig mit dem Bau der Anlagen beginnen zu können und eine Inbetriebnahme im Jahr 2030 zu ermöglichen. RWE ist bereit, in den Bau neuer wasserstofffähiger Gaskraftwerke zu investieren.

RWE wird das Ausschreibungsverfahren der Kraftwerksstrategie abwarten und fordert eine finanzielle Absicherung für den Einsatz von Wasserstoff (Kapazitätsmarkt). [EnergateMessenger]

Den von Rot-Grün vorgesehenen harten Umstieg auf 100 Prozent Wasserstoff nach sieben Jahren Betriebszeit bewertet RWE als nicht praktikabel und plädiert dafür, zum Markthochlauf auch blauen Wasserstoff einzusetzen, der aus fossilem Erdgas gewonnen wird.

RWE ist auch offen für CO2-Abscheidung und Speicherung (Carbon Capture and storage, CCS) in Verbindung mit Erdgas als Energieträger an Kraftwerken und bezeichnet dies als „sinnvolle Ergänzung“ zum Einsatz von Wasserstoff. [Energate Messenger]

RWE hat sich über Vorverträge mit Herstellern den Zugriff auf 3 x 800 MW-Gasturbinen (für Voerde, Gersteinwerk/Werne und Weisweiler) gesichert. [EnergateMessenger]

RWE fordert von der Politik grundlegende Weichenstellungen: „Erst wenn die Anbindung der Kraftwerksstandorte an das Wasserstoffnetz gesichert ist und die Rahmenbedingungen einen wirtschaftlichen Betrieb der Kraftwerke ermöglichen, wird RWE eine Investitionsentscheidung treffen.“ [SZ] [RWE] [EnergateMessenger]

Kraftwerk Bergkamen

Stilllegung und Abriss des alten Kohlekraftwerks: Der Betrieb des Steinkohlekraftwerks ‚Bergkamen A’ wurde am 31.3.2024 eingestellt. Bis zum 31.03.2028 muss es noch als Netzreserve betriebsbereit gehalten werden. Erst danach kann es endgültig stillgelegt und mit dem Abriss begonnen werden.
Planungsrechtliche Voraussetzungen: Es gibt für die Fläche des Kraftwerkstandortes ein Bebauungsplan von 1977. Dieser wurde für das damals geplant Kohlekraftwerk beschlossen. Eine Änderung des Bebauungsplans für den neuen Gaskraftwerksblock ist vermutlich nicht erforderlich. [Stadt Bergkamen]
Genehmigungsverfahren: Östlich des Kohlekraftwerks plant IQONY nun ein Gaskraftwerk zu bauen (Bergkamen B), welches zunächst mit Erdgas betrieben werden soll und mit bis zu 50 % mit Wasserstoff betrieben werden kann. Ab 2035 soll es für 100 % Wasserstoffeinsatz umgerüstet werden. [IQONY]
Das Genehmigungsverfahren für das GuD-Kraftwerk wurde im Juni 2024 von IQONY eingeleitet. Am 27.01.2026 wird ein öffentlicher Erörterungstermin stattfinden.
Bau und Inbetriebnahme: Der Baubeginn ist für 2028 vorgesehen, die Inbetriebnahme für 2031.
Anbindung an des Wasserstoffnetz: Mit den Vorarbeiten zum Planfeststellungsverfahren für die nötigen zwei 4,5 km langen Gasleitungen (für Erdgas und Wasserstoff, jeweils mit 50 cm Durchmesser) wurde im Frühjahr 2025 begonnen. Die Leitungen sollen unterirdisch verlegt werden und ca. 1 km durch das schützenswerte Biotop Lippeauen verlaufen. Der geplante Trassenverlauf kann auf der Website von IQONY eingesehen werden. Der Antrag auf Planfeststellung für die Gasleitungen soll im Frühjahr 2026 bei der Bezirksregierung Arnsberg eingereicht werden. IQONY rechnet Mitte 2027 mit der Genehmigung und möchte mit dem Bau der Gasleitungen Ende 2027 beginnen. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2028 geplant.
Iqony ist eine Tochter der STEAG, die wiederum Asterion gehören.

Kraftwerk Scholven

Stilllegung und Abriss des alten Kohlekraftwerks: Die beiden verbliebenen Steinkohleblöcke Scholven B & C sind bis zum 31.03.2031 in der Netzreserve und müssen daher betriebsbereit gehalten und dürfen nicht zurückgebaut werden. Die anderen Steinkohlekraftwerksblöcke D, E und F, sowie deren Schornsteine und Kühltürme stehen noch und sollen nach und nach gesprengt und zurückgebaut werden. Der Rückbau des Blocks F läuft seit April 2024. Im Jahr 2025 wurde unter anderem der Kühlturm und das Kesselhaus gesprengt. Für 2026 sind weitere Sprengungen auf dem Kraftwerksgelände vorgesehen. [H2-News]
Planungsrechtliche Voraussetzungen: 2021 hat die Stadt Gelsenkirchen die Aufstellung eines Bebauungsplans für die Kraftwerksfläche beschlossen. Das Bauleitplanungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. [Stadt Gelsenkirchen]
Genehmigungsverfahren: Das Genehmigungsverfahren für ein neues Gaskraftwerk Scholven 2 wurde im August 2025 von UNIPER eingeleitet.
Bau und Inbetriebnahme: Die Inbetriebnahme ist für 2030 geplant.
Anbindung an des Wasserstoffnetz: Weil die bestehende Gasleitung keine ausreichende Kapazität hat, müssen zwei neue Leitungen (für Erdgas und Wasserstoff) geplant, genehmigt und gebaut werden. [Mega-Monheim] Der Kraftwerksstandort liegt nah an einer der geplanten Leitungen des Wasserstoffkernnetzes, die 2031 fertiggestellt werden sollen. [H2Land-NRW] Ein Planfeststellungsverfahren für die Anschlusspipeline zwischen Wasserstoffnetz und Kraftwerk wurde bisher nicht eingeleitet.
Anschluss an die Fernwärme: Ein Anschluss an die Fernwärme ist vorhanden. Die Einspeisung von Wärme in das Fernwärmenetz ist geplant.

Kraftwerk Hamm-Uentrop

TRIANEL betreibt seit 2008 am Kraftwerksstandort Hamm-Uentrop zwei GuD-Kraftwerke (Hamm 10 & 20 mit jeweils 425 MW Leistung).
Planungsrechtliche Voraussetzungen: ….
Genehmigungsverfahren: TRIANEL plant wohl die Errichtung eines weiteren GuD-Kraftwerks (Hamm 30) mit einer Leistung von 500 MW. Das Genehmigungsverfahren dafür wurde im September 2024 von TRIANEL eingeleitet. Die Stadt Hamm wünscht sich eine Auskopplung von Wärme für das städtische Fernwärmenetz. [TRIANEL] & [TRIANEL-Hamm] Detailliertere Informationen zu diesem Kraftwerksprojekt sind nicht öffentlich.
Bau und Inbetriebnahme: ?
Anbindung an des Wasserstoffnetz: Der Kraftwerksstandort liegt nah an einer der geplanten Leitungen des Wasserstoffkernnetzes, die noch gebaut werden muss und bis 2032 in Betrieb gehen soll. [H2Land-NRW] Ein Planfeststellungsverfahren für eine Anschlusspipeline zwischen Wasserstoffnetz und Kraftwerk wurde bisher nicht eingeleitet.

In Deutschland geplante Gaskraftwerke

Neben den in NRW geplanten Gaskraftwerken, gibt es noch weitere Pläne von Energieversorgern wie LEAG, EPH und EnBW insbesondere in den südlichen und östlichen Bundesländern.

Tabelle 3: In Deutschland geplante Gaskraftwerke

Energieversorger

Kraftwerk

Nettoleistung:
Strom / Wärme

Geplanter Baubeginn:

Geplante Inbetriebnahme:

LEAG

Jänschwalde

900 MW

?

2029 ?

Lippendorf

875 MW

?

2029

Schwarze Pumpe

850 MW

?

2029

Leipheim 2

350 MW

?

?

EPH

Mehrum

1.200 MW

?

?

Saale Energie (EPH)

Schkopau

900 MW

?

2029

RWE

Burghausen

800 + 150 MW

?

2030/2035

Voerde

850 MW

Mitte 2026

2030

Gersteinwerk / Werne

800 MW

Mitte 2026

2030

Weisweiler

800 MW

Mitte 2026

2030

Grundremmingen

124 MW

2027 

Goldenberg

120 MW

Mitte 2026

2029

STEAG IQONY

Bexbach 900 MW ? ?

Bergkamen

880 MW

2028

2031

Weiher/Quierscheid

600 MW

 ?

Fenne/Völklingen

150 MW

 ?

UNIPER

Staudinger

890 MW

 ?

2029 

Scholven

835 MW

?

2030

EnBW

Karlsruhe RDK 9

850 MW

Mitte 2027 

2030 

TRIANEL

Hamm-Uentrop

500 MW

2027

2029

Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG

Mainz-Wiesbaden

250 MW

 ?

2028 

Stadtwerk Duisburg AG

HKW III/C Modul A – K

67 MW

Mitte 2026 

2029 

 

in Deutschland geplante Gaskraftwerke

Derzeit in Betrieb befindliche große Gaskraftwerke in NRW

Neben den geplanten Gaskraftwerken gibt es in NRW bereits einige große Gaskraftwerke (mit einer Nettostromerzeugungsleistung von mehr als 100 MW).

Hier sticht RWE hervor mit zwölf Gaskraftwerksblöcken in Werne (Gersteinwerk), Dormagen und Weisweiler und einer Gesamtnettostromleistung von 1.995 MW. Gersteinwerk ist mit 1.033 MW das größte in Betrieb befindliche Gaskraftwerk in NRW. Das zweitgrößte Gaskraftwerk mit 896 MW versorgt den Chemiepark Knapsack in Hürth, südwestlich von Köln.

Dem folgen Trianel (Hamm: 890 MW), RheinEnergie mit drei Kraftwerksstandorten in Köln (Niehl, Merkenich und Merheim: 873 MW) und die Stadtwerke Düsseldorf (Lausward: 826 MW).

In Herne steht einer der neuesten und der derzeit größte Gaskraftwerksblock mit einer Nettostromleistung von 657 MW.

Alle Gaskraftwerke mit einer Leistung von mehr als 100 MW sind in Tabelle 4 aufgeführt. Siehe dazu auch die Karte 4.

Gaskraftwerke in NRW