Keine Empfehlung von Biomasse im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung in Köln
Köln, der 5.8.2025
Wir von Biofuelwatch, Greenpeace Köln, Klimawende Köln, NABU Köln, Robin Wood Köln verfolgen den Prozess der kommunalen Wärmeplanung in Köln aufmerksam. Mit Verwunderung haben wir festgestellt, welch bedeutende Rolle der Biomasse bzw. Holz-Pellets auf einmal in den Zielszenarien zugeteilt wird. So wird von einer Steigerung der „Biomasse-Heizungssysteme um 537,5 GWh auf einen Anteil von 8,0 %“ ausgegangen und es werden sogar ganze Gebiete für Holz-Pellets als vorwiegende Wärmeversorgungsform ausgewiesen. (Stand: 22.05.2025)
Wir fordern:
1) keine Verwendung von Biomasse für die Erzeugung von Fernwärme
2) wenn Biomasse zur Wärmeerzeugung genutzt werden soll, dann nur solche, die nicht weiter stofflich verwertbar ist und die im Kölner Stadtgebiet angefallen ist (bzw. im Umkreis von 20 km)
3) städtische Unternehmen (wie z.B. die KölnBäder, GAG oder Kölner Kliniken) sollen vollständig auf den Einsatz von Biomasse verzichten
Wir sprechen uns gegen die Anpflanzung von Mais, Raps, Getreide und Kurzumtriebsplantagen zum Zweck der Energiegewinnung aus. Diese sogenannten „Energiepflanzen“ stehen in Flächen- und Nutzungskonkurrenz zum Anbau von z.B. Nahrungs- und Futtermittel. Außerdem geht der Anbau von Monokulturen mit dem Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden einher, was eine zusätzliche Belastung der Umwelt wie Böden, Gewässer und Biodiversität bedeutet, welche wir nicht gutheißen.
Anbauweise und Landnutzung haben großen Einfluss auf die Klimawirksamkeit des Energiepflanzenanbaus: Bei der Rodung von Regenwald, der Kultivierung von Mooren oder dem Umbruch von Grünland zum Anbau von Energiepflanzen werden große Mengen von Treibhausgasen frei und lehnen wir daher ab.
Im Kölner Stadtgebiet gibt es, wegen der verhältnismäßig wenigen forst- und landwirtschaftlich genutzten Flächen, nur eine recht begrenzte Menge an anfallender Biomasse. Wenn nun aber Biomasse auch vermehrt zur Wärmeerzeugung eingesetzt werden sollte, müsste diese importiert werden, was mit erhöhten Kosten und steigenden CO2-Emissionen einher geht.
Bei der Verbrennung von Biomasse entsteht neben CO2 auch gesundheitsschädlicher Feinstaub, Ruß, PAK und Stickoxide. Öfen, die der dezentralen Wärmeerzeugung dienen, haben keine bzw. keine gute Abgasreinigung, so dass bei deren Einsatz im dicht besiedelten Innenstadtbereich eine erhebliche Gesundheitsgefahr besteht. Dies gilt es zu begrenzen und zu mindern.
Quelle: Hintergrund: Biomasse – Naturverträglich nutzbare Biomasse – NABU (07.Sep. 2023)
Biomasse muss zunächst direkt stofflich genutzt werden. So findet Holz z.B. Anwendung im Bau oder in der Möbelherstellung. Wenn es nicht direkt erneut verwendet werden kann, sollte eine sekundäre stoffliche Nutzung z.B. in spanbasierten Produkten, so wie eine tertiäre stoffliche Verwertung in faserbasierten Produkten wie Papier und Pappe, erfolgen. Zudem besteht die Möglichkeit der chemischen Nutzung. Die energetische Nutzung steht ganz am Ende der Nutzungskaskade (siehe dazu die Abbildung auf Seite 2).
Wir können verstehen, dass es bei der kommunalen Wärmeplanung neben der Gebiete, die durch Fernwärme zentral und durch Wärmepumpen dezentral versorgt werden (können), Gebiete gibt, für die es schwierig ist, eine klare Empfehlung auszusprechen. Das darf aber nicht dazu führen, diese Gebiete pauschal als Biomasse- oder Holzpelletgebiete auszuweisen. Der Einsatz von Biomasse kann und darf nur in wenigen Sonderfällen eine Lösung sein.
Fazit: Holz und Bioenergie aus Anbaupflanzen sind nicht klimafreundlich, deshalb sollten wir uns auf wirklich klimafreundliche Alternativen wie Wärmepumpen, Wärmespeicherung, Solarenergie, industrielle Abwärme usw. konzentrieren.
Daher möchten wir die Stadtverwaltung, hier insbesondere die Koordinationsstelle Klimaschutz, sowie die Kölner Ratsmitglieder dazu aufrufen, eine kommunale Wärmeplanung aufzustellen, die keine „Biomasse- oder Holzpelletsgebiete“ ausweist. Die vereinzelte Nutzung von nicht mehr verwertbaren, lokal anfallenden, restlichen Biomaterialien in geeigneten Verbrennungsanlagen kann weiterhin möglich bleiben.
Mit freundlichen Grüßen